Sommerhitze: wie sollen Schulen reagieren - wie Schülerschaft schützen?

Sommerhitze: wie sollen Schulen reagieren - wie Schülerschaft schützen?
Im Bild das Schulhaus Kretz in Erlinsbach. Foto: MKU

In einer am Dienstag im Grossen Rat eingereichten Interpellation betreffend Hitzeschutz und Unterrichtsanpassungen bei Hitze an Aargauer Volks- und Kantonsschulen stellen Stefan Dietrich, SP, Bremgarten (Sprecher), Matthias Betsche, GLP, Möriken-Wildegg, Jürg Baur, Mitte, Brugg, Dr. Titus Meier, FDP, Brugg, Béa Bieber, GLP, Rheinfelden der Regierung zahlreiche Fragen.

Sie begründen den Vorstoss so: Die Hitzebelastung in Schulzimmern ist längst kein Randproblem mehr. Der Klimawandel führt auch im Kanton Aargau zu mehr Hitzetagen, längeren Trockenperioden und häufigeren Extremereignissen. Der Kanton selbst weist darauf hin, dass neben Klimaschutz auch Klimaanpassung notwendig ist. Gemäss den Klimaszenarien Schweiz (CH2018) werden Hitzetage und Tropennächte in der Schweiz künftig deutlich häufiger auftreten.

Besonders betroffen sind dicht besiedelte Gebiete sowie ältere Gebäude mit unzureichender Beschattung und Lüftung. Gerade ältere Schulhäuser heizen sich während sommerlicher Hitzeperioden stark auf. Dies beeinträchtigt Konzentration, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrpersonen. Der Dachverband Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) fordert seit längerem verbindliche Hitzeschutzmassnahmen und klare Empfehlungen für Schulen.

Auch arbeitsmedizinische Empfehlungen des Bundes weisen laut Interpellation darauf hin, dass hohe Temperaturen Gesundheit und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen können. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hält fest, dass Arbeitgeber verpflichtet sind, zumutbare klimatische Bedingungen sicherzustellen und bei Hitze geeignete Schutzmassnahmen zu treffen. Schulen haben gleichzeitig einen Bildungs- und Betreuungsauftrag.

"Es geht nicht einfach um «hitzefrei»"

Es gehe deshalb nicht einfach um «hitzefrei», sondern um planbare, pädagogisch sinnvolle und gesundheitlich verantwortbare Lösungen. Viele Gemeinden stehen zudem vor erheblichen finanziellen und planerischen Herausforderungen, wenn Schulhäuser an die zunehmende Hitze angepasst werden müssen. Der Regierungsrat soll deshalb aufzeigen, ob und wie ein kantonaler Stufenplan entwickelt werden kann, der kurzfristige organisatorische Massnahmen mit langfristiger Klimaanpassung der Schulgebäude verbindet. Der Regierungsrat wird gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

1. Wie beurteilt der Regierungsrat die zunehmende Hitzebelastung in Schulzimmern und auf Schularealen im Kanton Aargau vor dem Hintergrund der erwarteten klimatischen Entwicklung?

2. Gibt es kantonale Daten, Erhebungen oder Erkenntnisse zu Raumtemperaturen in Aargauer Schulhäusern während Hitzeperioden? Falls nein, besteht Bedarf für eine systematischere Datengrundlage?

3. Welche Empfehlungen gelten heute für Schulen, wenn Unterrichtsräume übermässig heiss werden, und welchen Handlungsspielraum haben Schulen und Gemeinden gemäss geltender Gesetzeslage?

4. Welche Massnahmen sind heute für Schulen bei grosser Hitze rechtlich verbindlich, welche beruhen auf Empfehlungen, und sieht der Regierungsrat Bedarf, diese Vorgaben kantonal zu präzisieren oder zu vereinheitlichen?

5. Ist der Regierungsrat bereit, gemeinsam mit Gemeinden, Schulen und Fachstellen die Erarbeitung eines kantonalen Stufenplans Hitze an Schulen zu prüfen? Welche Elemente sollte ein solcher Stufenplan aus Sicht des Regierungsrats enthalten (z.B. Schwellenwerte, organisatorische Massnahmen oder Empfehlungen für Unterrichtsanpassungen)?

6. Welche kurzfristigen organisatorischen Massnahmen erachtet der Regierungsrat als geeignet, um die Belastung durch Hitze zu reduzieren, beispielsweise die Verlegung des Unterrichts in kühlere Räume, Anpassungen bei Sport und Prüfungen, zusätzliche Trinkmöglichkeiten oder flexible Stundenpläne?

7. Ist der Regierungsrat bereit zu prüfen, ob bei aussergewöhnlicher Hitze beziehungsweise unzumutbaren Raumtemperaturen kantonal einheitliche Regelungen für Unterrichtsanpassungen oder Unterrichtsverkürzungen geschaffen werden sollen?

8. Welche langfristigen baulichen und klimaanpassenden Massnahmen erachtet der Regierungsrat als besonders wirksam, um die Hitzebelastung an Schulstandorten zu reduzieren (z.B. Beschattung, Begrünung, Bäume, Entsiegelung, Lüftung, Nachtauskühlung oder Schwammstadt-Elemente)?

9. Wie kann der Kanton die Gemeinden bei der Planung und Umsetzung solcher Massnahmen unterstützen, beispielsweise durch Beratung, Richtlinien, Förderprogramme oder finanzielle Beiträge?

0. Sieht der Regierungsrat angesichts häufiger werdender Hitzeperioden langfristig auch Anpassungsbedarf bei der Schuljahres- und Ferienplanung? Wurden oder werden Modelle geprüft, die stärker auf klimatische Entwicklungen und wiederkehrende Hitzepeaks Rücksicht nehmen?