Axpo: 836 Mio. Franken Gewinn vor Zinsen und Steuern
In einem herausfordernden geopolitischen Umfeld erwies sich die Axpo Gruppe in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 (1. Oktober 2025 bis 31. März 2026) als resilient "und erzielte ein gutes Ergebnis". Vor dem Hintergrund der Verwerfungen an den Energiemärkten infolge der Eskalation im Nahen Osten habe sich die Diversifikation nach geografischen Märkten und Geschäftsfeldern einmal mehr ausgezahlt. Dies schreibt die Axpo in einer Mitteilung zum Halbjahresergebnis. Die Axpo ist der grösste Schweizer Energieversorger, an dem auch der Kanton Aargau und die AEW Energie AG zusammen mit knapp 30 % beteiligt sind.
Christoph Brand, CEO von Axpo, wird in der Mitteilung so zitiert: «Axpo lieferte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26 wiederum zuverlässig rund 40 Prozent des in der Schweiz verbrauchten Stroms, baute die Produktionskapazität für erneuerbare Energie in der Schweiz und im Ausland weiter aus und stellte ihre international führende Position als Anbieterin von massgeschneiderten Produkten und Energielösungen für industrielle Grosskunden, KMU und Privathaushalte unter Beweis. Insbesondere im für die Energieversorgung zunehmend wichtigen Gasmarkt haben wir unsere Position weiter gestärkt. Mit der Publikation der Axpo Energy Reports haben wir zudem einen wichtigen Beitrag zur Diskussion geleistet, wie der steigende Strombedarf der Schweiz auch künftig zuverlässig, bezahlbar und emissionsarm gedeckt werden kann.»
Gutes Ergebnis dank gezielter internationaler Diversifikation
Der allgemeine Abwärtstrend bei den Energiepreisen der letzten Jahre wurde 2025 von einer volatileren Entwicklung abgelöst, die von wetterbedingten und geopolitischen Faktoren geprägt war. Der Angriff der USA auf den Iran von Anfang März 2026 und seine Folgen führten zu Verwerfungen an den Energiemärkten, deren Auswirkungen noch offen sind. In diesem von Volatilität, Unsicherheit und Komplexität geprägten Umfeld ist Axpo mit ihrer Strategie gut positioniert. Dies zeige sich auch an den finanziellen Ergebnissen im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/26, heisst es dazu in der Axpo-Mitteilung.
Ausfall des Kernkraftwerks Gösgen konnte wettgemacht werden
as bereinigte Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag mit 836 Millionen CHF etwa auf Höhe der Vorjahresperiode (847 Millionen CHF). Alle Geschäftsbereiche lieferten dazu laut Mitteilung einen positiven Ergebnisbeitrag. Das bereinigte Ergebnis des Segmentes Generation & Distribution belief sich auf 542 Millionen CHF (Vorjahresperiode: 467 Millionen CHF). Die in diesem Jahr noch höheren abgesicherten Preise der eigenen Stromproduktion konnten den negativen Mengeneffekt, unter anderem verursacht durch den Ausfall des Kernkraftwerks Gösgen, mehr als wettmachen. Gleiches gilt für das Segment CKW mit einem bereinigten Betriebsergebnis von 89 Millionen CHF (Vorjahresperiode: 87 Millionen CHF). Dabei sei zu berücksichtigen, heisst es weiter, "dass die gebundenen Kunden von CKW von Strompreisen deutlich unter dem Median profitierten und generell einen sehr geringen Anteil zum Gesamtergebnis der Axpo Gruppe beisteuern."
Das Segment Trading & Sales konnte die sehr gute Leistung aus der Vorjahresperiode wiederholen und erzielte eine Bruttomarge von 756 Millionen CHF (Vorjahresperiode: 717 Millionen CHF). Nach Bruttoaufwand und aus Bewertungsgründen anfallenden temporären Ergebnisverschiebungen lag der Beitrag des Segments zum bereinigten Betriebsergebnis mit 258 Millionen CHF niedriger als in der Vorjahresperiode mit 402 Millionen CHF.
Unter Berücksichtigung des Effekts aus Ergebnisverschiebungen und der Entwicklung der Fonds für die Stilllegung und Entsorgung der Kernkraftwerke (STENFO) resultierte für Axpo ein Betriebsergebnis von 779 Millionen CHF (Vorjahresperiode: 744 Millionen CHF). Insgesamt erzielte Axpo ein Unternehmensergebnis von 519 Millionen CHF (Vorjahresperiode: 562 Millionen CHF).
113 Mio. in der Schweiz investiert
In der Berichtsperiode sind dem Unternehmen aus betrieblicher Tätigkeit 493 Millionen CHF zugeflossen (Vorjahresperiode: 620 Millionen CHF). Dies sei in diesem anspruchsvollen Umfeld ein sehr gutes Ergebnis und unterstreiche die Resilienz des Geschäftsmodells von Axpo gegenüber Verwerfungen an den Energiemärkten. Die Bruttoinvestitionen beliefen sich auf 271 Millionen CHF (Vorjahresperiode: 195 Millionen CHF), davon entfielen 113 Millionen CHF auf die Schweiz.
Die Nettoinvestitionen lagen bei 242 Millionen CHF (Vorjahresperiode: 154 Millionen CHF). Daraus resultierte ein freier Cashflow in Höhe von 252 Millionen CHF (Vorjahresperiode: 465 Millionen CHF). Die Bilanzsumme erhöhte sich aufgrund von Bewertungsänderungen in der Berichtsperiode von 31 577 Millionen CHF auf 35 840 Millionen CHF und das Eigenkapital veränderte sich von 13 168 Millionen CHF auf 13 672 Millionen CHF. Die Liquidität betrug am Ende der Berichtsperiode 7195 Millionen CHF (30. September 2025: 7132 Millionen CHF) und die Nettofinanzposition lag bei 1675 Millionen CHF (30. September 2025: 1581 Millionen CHF).
Solide Finanzierung gewährleistet Flexibilität für Strategieumsetzung
Die bestehende unbesicherte, revolvierende und kommittierte Kreditlinie konnte Axpo laut Mitteilung im Februar 2026 erfolgreich um ein weiteres Jahr bis Februar 2029 verlängern. Bereits zuvor wurde sie auf Wunsch von Axpo auf 5,0 Milliarden EUR reduziert. Diese vorzeitige Verlängerung sei ein Vertrauensbeweis des Finanzmarktes in Axpo. Sie trägt zu einer anhaltend diversifizierten Finanzierungsstruktur bei und gewährleistet die finanzielle Flexibilität für die weitere Umsetzung der Strategie.
Insgesamt lieferte Axpo in der Berichtsperiode trotz des unplanmässigen Stillstands des Kernkraftwerks Gösgen wiederum rund 40 Prozent des in der Schweiz verbrauchten Stroms. Das Kernkraftwerk Gösgen ist seit dem 23. März 2026 wieder am Netz.
CKW: dynamische Strompreise eingeführt
Die Axpo Tochter CKW wartete nach der Einführung von dynamischen Strompreisen, mit denen die Konsumentinnen und Konsumenten Kosten sparen können und gleichzeitig das Netz stabilisiert wird, mit einer weiteren Innovation auf. Das Unternehmen öffnete schweizweit den Flexibilitätsmarkt für Photovoltaikanlagen ab 150 Kilowattpeak. Von dieser Öffnung profitieren beide Seiten: Betreiberinnen und Betreiber von Solaranlagen erzielen Zusatzerlöse und verbessern die Wirtschaftlichkeit ihrer Anlage. Gleichzeitig helfen sie mit, das Stromnetz stabil zu halten. Um die Flexibilität des Energiesystems weiter zu erhöhen, erstellt und betreibt Axpo verschiedene Batterieprojekte.
Energy Reports zeigen Handlungsbedarf zur Sicherung der Stromversorgung
Mit den im März 2026 publizierten Axpo Energy Reports leistete Axpo einen wesentlichen Beitrag zur Diskussion, wie die Schweiz den steigenden Strombedarf insbesondere im Winter decken kann. Das Unternehmen legte eine umfassende Analyse vor, welche Technologien unter welchen Bedingungen und zu welchen Kosten den benötigten Winterstrom liefern können. Diese Analyse verdeutlicht: Die Herausforderung ist lösbar – mit einer klugen Kombination mehrerer Technologien. Dabei benennen die Reports vier Bereiche mit dringendem Handlungsbedarf: die Sicherung des Langzeitbetriebs der bestehenden Kernkraftwerke, die Ausrichtung des Förderregimes auf die Winterstromproduktion, die Beschleunigung des Ausbaus von Windkraft und die Schaffung der Voraussetzungen für den Bau marktaktiver Gaskraftwerke.
100. Windpark und grösste Dachsolaranlage Europas in Bau
Im Berichtszeitraum trieb Axpo den Ausbau von Produktionskapazität bei erneuerbaren Energiequellen in der Schweiz und im Ausland weiter voran. Unter anderem wurde in der Schweiz im Oktober 2025 bei der alpinen Solaranlage NalpSolar in Graubünden die ersten 10 Prozent der vorgesehenen Kapazität planmässig ans Netz angeschlossen. Axpo entwickelte auch ihre Windprojekte weiter, wobei der Ausbau der Windkraft aufgrund der Markt- und Rahmenbedingungen weiterhin herausfordernd ist. Im Bereich Wasserkraft nahm das Kraftwerk Emmenweid bei Luzern nach zwei Jahren umfangreicher Modernisierungs- und Sanierungsarbeiten den Betrieb wieder auf. Auch das Kraftwerk Grono im Misox, das im Juni 2024 bei einem Unwetter schwer beschädigt wurde, konnte nach 18 Monate dauernden Instandstellungsarbeiten wieder vollständig in Betrieb genommen werden.
International begann Axpo mit dem Bau ihres 100. Windparks. Die Anlage im deutschen Bundesland Niedersachsen soll im Herbst 2026 in Betrieb gehen. Insgesamt betreibt Axpo rund 600 Windturbinen in 100 Windparks und versorgt damit in Europa zirka 800 000 Vier-Personen-Haushalte mit Strom. In Spanien stellte Axpo nach rund einem Jahr Bauzeit ihr bisher grösstes Solarprojekt termingerecht fertig. Die vier Solarparks in der Provinz León verfügen über eine Gesamtleistung von 200 Megawattpeak und werden jährlich rund 377 Gigawattstunden Strom generieren. In Dourgues, Nordfrankreich, begann die Axpo Tochter Urbasolar mit dem Bau der bisher grössten zusammenhängenden europäischen Dachsolaranlage. Die Anlage in der Grösse von fast 20 Fussballfeldern entsteht auf dem Dach eines Logistikgebäudes und verfügt über eine Leistung von 18 Megawattpeak. Weitere Anlagen in den Bereichen Biomasse und Batteriespeichersysteme sind sowohl in der Schweiz als auch im Ausland in Entwicklung und im Bau.
Ertragspotential der Schweizer Stromproduktion schrumpft langfristig
Im zweiten Halbjahr (1. April bis 30. September 2026) rechnet die Axpo aufgrund der Saisonalität des Geschäfts mit einem niedrigeren Ergebnis zu rechnen als im ersten Halbjahr. Weiter werden die Wertschwankungen des STENFO das Unternehmensergebnis beeinflussen. Für die kommenden Jahre sei zu berücksichtigen, dass die abgesicherten Preise unter dem Niveau des laufenden Geschäftsjahrs liegen. Das Ertragspotenzial aus der Schweizer Stromproduktion werde mit dem Heimfall der Wasserkraftwerke sowie dem schrittweisen Wegfall der Kernkraft langfristig deutlich kleiner. Vor diesem Hintergrund richtet Axpo den Fokus auf weiteres Wachstum im internationalen Kunden- und Handelsgeschäft, um neue Ertragspotenziale zu erschliessen, um die notwendigen Investitionen in die Schweizer Energieversorgung zu ermöglichen und den Unternehmenswert langfristig zu sichern, wie es abschliessend heisst.