14. Juni: "Bildungsqualität braucht Langfristigkeit und Verbindlichkeit"
Ein breit abgestütztes Komitee aus Politik, Bildung und Wissenschaft hat in einem Oberstufen-Schulhaus in Aarau die Abstimmungskampagne zur Initiative «Bildungsqualität sichern – JETZT!» gestartet. Im Komitee vertreten sind der Verband der Schulleitungen, Bildung Aargau sowie Vertreterinnen und Vertreter von EVP, Grünen, SP und Mitte. Dies teilt das Komitee zum Start des Abstimmungskampfes mit.
"Die Bedingungen schaffen, unter denen Schüler lernen können"
Gemeinsam setzten sie sich an der Medienorientierung dafür ein, "die Qualität des gesamten Bildungssystems im Kanton Aargau langfristig und verbindlich zu sichern – von der Volksschule über die Berufsbildung bis zu den Gymnasien". Die Ausgangslage sei klar: Die Schulen stehen zunehmend unter Druck. Der Mangel an qualifizierten Lehr- und Fachpersonen, steigende Anforderungen und wachsende Belastungen gefährdeten die Qualität. Colette Basler (Präsidentin Bildung Aargau und Grossrätin SP) zitierte gar Albert Einstein, der einst kurze Zeit die alte Kantonsschule Aarau besucht hatte. Einstein sagte mal: "Ich unterrichte meine Schüler nie. Ich versuche nur, Bedingungen zu schaffen, unter denen sie lernen können." Ja, Kinder brauchen gute Bedingungen, um gut lernen zu können, bekräftigte Basler.
Das Gewerbe beklage doch, dass die Schule die Jugendlichen, die in die Lehre wollen, nicht merh auf den nötigen Ausbildungslevel bringe, sagte Schulleiter und Mitte-Grossrat Jürg Baur. Die Initianten sind sich einig, eigentlich müsste das Gewerbe ihre Initiative unterstützen.
Was lange punktuell war, sei heute eine strukturelle Herausforderung. «Der Lehrpersonenmangel und die steigenden Anforderungen sind an unseren Schulen täglich spürbar. Es wird immer schwieriger, unter diesen Bedingungen die Qualität sicherzustellen", sagt Fabian Schnyder, Schulleiter und Präsident Schulleitungsverband. Er kennt einige Lehrpersonen, die inzwischen diesem Beruf den Rücken gekehrt haben. Immer wieder müsse man Personen ohne ausreichende Qualifikation einstellen.
"Qualität braucht Verbindlichkeit"
Für das Komitee ist klar: Bildungsqualität entsteht nicht zufällig. Sie braucht gut ausgebildete Fachpersonen, tragfähige Rahmenbedingungen und klare, verbindliche Verantwortung. «Gute Bildung braucht gut ausgebildete Fachpersonen. Wenn immer mehr nicht ausreichend qualifizierte Personen unterrichten, gerät die Qualität unter Druck", sagte Simona Brizzi, Erziehungswissenschafterin und Nationalrätin SP. Wenn es an Ressourcen fehle, "können viele junge Leute ihr Potenzial nicht ausschöpfen".
Die Nationalrätin der Grünen und Präsidentin von Arbeit Aargau, Irène Kälin, sagte, sie verstehe nicht, warum Bildungsdirektorin Martina Bircher gegen die initiative antrete: "Also ich hätte liebend gern einen solchen Artikel in der Kantonsverfassung."
Die Gegner argumentieren, die nötigen Verbesserungen könnten auf Gesetzesebene geregelt werden, wurde an der Medieninformation gesagt. Für sie - das Unterstützungskomitee - greife das zu kurz: Gesetze seien veränderbar – "die Verfassung ist ein Auftrag und setzt die verbindlichen Leitplanken". Die Initiative stelle sicher, dass Bildungsqualität, prioritär und dauerhaft gesichert wird.
Starker Aargau – starke Zukunft
Ein starkes Bildungssystem ist zentral für unsere Zukunft, wurde an der Medienorientierung betont. Es sichere die Fachkräfte von morgen, stärke die Innovationskraft, fördere den gesellschaftlichen Zusammenhalt und bilde die Grundlage für eine funktionierende Demokratie. «Ein starkes Bildungssystem ist entscheidend für unsere Demokratie und unsere wirtschaftliche Zukunft. Wer in Bildungsqualität investiert, investiert direkt in den Standort Aargau, sagt Irène Kälin, Nationalrätin der Grünen und Präsidentin Arbeit Aargau. Für das Komitee ist deshalb klar: "Wer die Bildungsqualität stärkt, stärkt den Standort Aargau. Bildungsqualität darf nicht vom Zufall abhängen.»
"Am Schluss wird es nicht mehr kosten"
Auf die von der Kantonsregierung geschätzten Mehrkosten von 50 bis 100 Mio. Franken angesprochen (etwa weil die Initianten kleinere Schulklassen wollen), welche die Initiative auslöse, sagte Kathrin Scholl, man mache Vorschläge, wo man ansetzen könne. Die Umsetzung des Verfassungsartikels nach einem Ja auf Gesetzesstufe sei dann aber Sache des Parlaments. Dabei gelte es, das Ganze anzusehen. In kleineren Klassen brauche es dafür dann vielleicht weniger Unterstützung. Das heisse nicht, ergänzte Colette Basler, "dass wir dann im Gesamten mehr Geld brauchen, etwa wenn wir qualitativ gut ausgebildete Fachpersonen haben. Am Schluss wird es nicht mehr kosten."
Löst sich das Problem selbst, weil Zahl der Kinder abnimmt?
Seit Jahren suchen die Schulen händeringend Lehrkräfte. Doch löst sich das Problem wie im Kanton Zürich nicht von selbst, weil die Zahl der Kinder bald abnimmt und man bald eniger Lehrkräfte suchen muss? lautete eine Journalistenfrage. Dazu verwies Kathrin Scholl auf den Umstand, dass der Aargau den ältesten Lehrkörper habe, also bald viele Lehrkräfte pensioniert und ersetzt werden müssen. Das sei so, weil der Aargau lange Zeit für ältere Lehrkräfte lohnmässig besonders attraktiv war. Von einer Entspannung könne man erst in etwa 10 Jahren reden.

Über die Argumente des Nein-Komitees berichten wir, sobald dieses seinerseits den Abstimmungskampf eröffnet.
