Ewigkeitschemikalie TFA: das sagt der Bundesrat zu einem Vorstoss von Simona Brizzi

Ewigkeitschemikalie TFA: das sagt der Bundesrat zu einem Vorstoss von Simona Brizzi
Simona Brizzi (SP/AG). Foto: MKU

Trifluoressigsäure (TFA) ist eine mobile, chemische-synthetische Verbindung. Sie gehört zur Gruppe der PFAS (Ewigkeitschemikalien), die besonders lange in der Umwelt bleibt.TFA ist laut Bundesrat die «am weitesten verbreitete künstliche Chemikalie im Grundwasser». Dies schreibt SP-Nationalrätin Simona Brizzi in einer im Juni eingereichten Interpellation.

Eine Haupteintragsquelle in die Umwelt seien HFO-Gase in Kühl- und Klimaanlagen, weshalb der Bund ein schrittweises Verbot verschiedener Anwendungen einführen möchte. In der Antwort auf ihre Frage 26.7506 beschreibt er die geplanten Verbote, welche zwischen 2027 und 2035 in Kraft treten sollen. Anfang Juni 2026 hat die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) TFA als vermutlich reproduktionstoxisch beim Menschen eingestuft. Der Stoff kann nicht nur die Fruchtbarkeit des Menschen beeinträchtigen, sondern auch gesundheitliche Schäden bei ungeborenen Kindern verursachen.

Im Magazin Beobachter weise der Toxikologe Lothar Aicher darauf hin, dass TFA ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstelle. Als Grund nennt er die dauerhafte, hohe Belastung, der Menschen schon heute ausgesetzt sind. Das Risiko könne nur verringert werden, indem der Eintrag der entsprechenden Chemikalien an der Quelle verhindert wird, TFA also weder in die Umwelt noch in den menschlichen Körper gelangen kann. Basierend auf diesen neuesten Entwicklungen stellte Brizzi dem Bundesrat mehrere Fragen.

So antwortet der Bundesrat

1) Gemäss einer kürzlich veröffentlichten Studie der Empa (www.atmospheric-chemistry-and-physics.net > Articles and Preprints > Research Articles > «Trifluoroacetate (TFA) in precipitation and surface waters in Switzerland: trends, source attribution, and budget») verursachen atmosphärische Quellen (vor allem fluorierte Gase, davon mehrheitlich HFO) gesamtschweizerisch einen jährlichen Eintrag in Grundwasser und Oberflächengewässer von etwa 24.5 Tonnen Trifluoressigsäure (TFA), antwortet jetzt der Bundesrat. Es sei anzunehmen, dass der atmosphärische TFA-Eintrag mit steigender Nutzung von HFO in den nächsten Jahren ansteigt.

Daneben stammen jährlich 2.9 bis 11.8 Tonnen aus den Abbauprodukten von Pflanzenschutzmitteln. Für die erhöhten Konzentrationen in Regionen mit viel Ackerland sei der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mitverantwortlich. Die Konzentrationen seien an diesen Grundwassermessstellen im Durchschnitt etwa doppelt so hoch wie im Niederschlag der letzten Jahre. Für weitere mögliche Quellen (z. B. Industriechemikalien, Biozide, Arzneimittel oder Abbau anderer per- und polyfluorierter Alkylsubstanzen [PFAS]) lägen keine gesicherten quantitativen Beiträge vor, schreibt der Bundesrat weiter.

 Es könne davon ausgegangen werden, dass der Beitrag aus HFO-Anwendungen, für welche der Bundesrat künftige Beschränkungen bereits beschlossen hat, im Vergleich zu allen HFO-Quellen eher gering sei. In der Europäischen Union (EU) ist eine umfassende Beschränkung von PFAS in Diskussion, diese betrifft auch HFO. Der Bundesrat wird nach einem allfälligen Beschluss in der EU eine Übernahme prüfen.

 4) Der Bundesrat verweist auf seine Stellungnahmen zur Motion 25.3835 Silberschmidt und zur Motion 25.3855 Mühlemann.