Matthias Jauslin verlangt eine nationale Kältestrategie
Mit einer eben eingereichten Motion will der Aargauer GLP-Nationalrat Matthias Samuel Jauslin den Bundesrat beauftragen, eine Kältestrategie zu erarbeiten und umzusetzen. Darin sei aufzuzeigen, so Jauslin, "wie der Wärmeschutz, Massnahmen zur Vermeidung und Reduktion sommerlicher Überhitzung, die Kältebereitstellung und die Kältespeicherung konsequent auf Effizienz sowie auf Synergien mit der Wärmeerzeugung im Winter ausgerichtet werden können".
Empa-Studie: Kühlbedarf könnte bis 2050 fast so gross werden wie Heizbedarf
Der Klimawandel senke den Wärmebedarf im Winter und erhöhe den Kühlbedarf im Sommer. Die Wärmestrategie des Bundesrats zeige den Weg zu erneuerbaren Energieträgern und effizienterer Wärmeerzeugung auf. Kühlung werde in der Strategie aber nur teilweise mitberücksichtigt und fehle im Zielbild, so die Kritik Jauslins. Eine Empa-Studie zeige jedoch: Selbst bei flächendeckendem Einsatz effizienter Klimaanlagen oder Wärmepumpen könnte der Kühlbedarf bis 2050 fast so gross werden wie der Heizbedarf. Wird auch in Zukunft eine Rekordzahl an ineffizienten mobilen Kühlgeräten verkauft, dürfte der Energiebedarf noch höher ausfallen.
Dabei könne passiver Wärmeschutz (Storen, Dämmung, Nachtlüftung) den Kühlbedarf gemäss IEA um bis zu 80 Prozent senken und städtebauliche Massnahmen (Freiluftkorridore, Begrünung, Schwammstadt) können Hitzeinseln in Städten vorbeugen, gibt Jauskin in seiner Motion zu bedenken. Zudem bestünden effizientere Kälteerzeugungsmethoden als mobile Kühlgeräte: Free Cooling nutzt natürliche Kältequellen (Seen, Grundwasser, Erdreich) ganz ohne aktive Kühlung.
Auch aktiv betriebene Wärmepumpen mit Erdsonden und Geothermieanlagen benötigen nur begrenzt zusätzlichen Strom und speichern sommerliche Solarüberschüsse saisonal als Wärme im Untergrund. Kältenetze für Industrie- und Büroflächen wirken zudem lokalen Hitzeinseln entgegen, so Jauslin weiter. Mit der Motion 22.3702 Jauslin seien erste Schritte zur besseren Nutzung des geothermischen Untergrundpotenzials eingeleitet worden.
Es fehle jedoch eine Analyse, wie die Rahmenbedingungen gestaltet werden müssen, damit passiver Wärmeschutz und städtebauliche Massnahmen die sommerliche Überhitzung möglichst reduzieren und für die verbleibende Wärmeabfuhr effiziente, mit der Wärmeerzeugung kombinierbare Lösungen eingesetzt werden können. Der zusätzliche Kühlbedarf von Gebäuden, auch im Wohnbereich, sollte daher sowohl in den rechtlichen Rahmenbedingungen als auch bei den Förderinstrumenten berücksichtigt werden, um Synergien, Effizienz und eine verstärkte saisonale Speichernutzung zu ermöglichen, fordert Jauslin.