Erfreulich: Aargauer Wirtschaft trotzt laut AIHK-Studie den globalen Turbulenzen

Erfreulich: Aargauer Wirtschaft trotzt laut AIHK-Studie den globalen Turbulenzen

Trotz erheblicher konjunktureller und handelspolitischer Belastungen ist die Stimmung in der Aargauer Wirtschaft grundsätzlich gut. Aus fast allen Branchen berichten die von der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK) befragten Unternehmen über ein zumindest befriedigendes Geschäftsjahr 2025. Dies gab die AIHK heute Morgen an einer Medienkonferenz in Aarau bekannt.

Auch für das laufende Jahr 2026 sei eine Mehrheit optimistisch, so AIHK-Direktor Beat Bechtold. Es dürfe aber nicht vergessen werden, dass die Lage für die Unternehmen im Aargau aufgrund unterschiedlicher Spannungsfelder herausfordernd bleibt. Die AIHK fordert deshalb, dass der Fokus in der Wirtschaftspolitik konsequent an den Interessen der Unternehmen ausgerichtet wird, so Bechtold weiter.

Beat Bechtold und Alice Paula bei der Präsentation der Studienergebnisse. Foto: MKU

449 Unternehmen machten bei diesjähriger Umfrage mit

Zu Beginn des Jahres befragt die Aargauische Industrie- und Handelskammer (AIHK) jeweils ihre Mitglieder über deren aktuelle wirtschaftliche Lage. An der diesjährigen Umfrage im Januar haben 449 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen teilgenommen. Gewichtet werden die Resultate nach Anzahl der Beschäftigten eines Unternehmens. Das heisst, dass Antworten von Unternehmen mit mehr Mitarbeitenden höher gewichtet werden als von kleineren Firmen.

Exportorientierte Branchen bewerten negativer

In der Gesamtbetrachtung fällt laut der Umfrageauswertung auf, so Alice Paula, Betriebswirtin und Immobilienökonomin bei Fahrländer PartnerRaumentwicklung, bei der Vorstellung der Ergebnisse, dass die Dienstleistungsbranchen die allgemeine Entwicklung des Geschäftsjahres deutlich besser bewerten als die Industrie. Paula erklärt dies so: «Die Industrie ist stark exportorientiert und ist damit überproportional von der Nachfrage in Europa und den USA abhängig. Sie leidet deshalb besonders unter der Kombination aus global schwachem Wachstum, anhaltenden Handelskonflikten und dem strukturell starken Schweizer Franken.» Der Dienstleistungssektor profitiere hingegen stärker von der robusten Binnennachfrage und von einer weniger ausgeprägten Wechselkursabhängigkeit.

MEM-Industrie weiter unter Druck

Eine zentrale Branche der Aargauer Wirtschaft ist die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEMIndustrie). Die Resultate dieser Branche fallen heterogen aus. Während die Elektroindustrie das Geschäftsjahr 2025 als gut beurteilt, sind die Unternehmen mit Metallerzeugung- und bearbeitung sowie der Maschinenbau gemäss der AIHK-Erhebung deutlich weniger optimistisch. Die jüngste Protektionsmus-Welle, angetrieben durch die US-Zölle sowie die Einführung von EU-Grenzausgleichszölle, stellt eine erhebliche Bedrohung für die kleine, offene Schweizer Volkswirtschaft dar.

Arbeitsmarkt in einer Abkühlungsphase

Die angespannte konjunkturelle Lage zeigt sich laut der Untersuchung auch auf dem Arbeitsmarkt. Nach Jahren des Stellenaufbaus hat die Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr zugenommen. Zwischen Januar und Dezember 2025 ist die Arbeitslosigkeit von 2,6 auf 3,0 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Rückmeldungen der Wirtschaftsumfrage wider, wie in Aarau dargelegt wurde. Die Teilnehmenden im Industriesektor meldeten einen Abbau der Stellen um 1 Prozent im vergangenen Jahr, während der Dienstleistungssektor eine Zunahme von 2,5 Prozent für 2025 bekanntgibt. Fürs laufende Jahr wird im Durchschnitt mit einem Plus von 0,6 Prozent gerechnet.

Die Antworten zur Frage: "Welches sind die grössten Herausforderungen für Unternehmen im Bezug auf die US-Handelspolitik?" Grafik: AIHK

Grosse Unsicherheiten aufgrund der volatilen US-Zollpolitik

Die diesjährigen aktualitätsbezogenen Fragen widmen sich den Herausforderungen der erhöhten US-Zölle. 61 Prozent der befragten Aargauer Unternehmen waren und sind gemäss ihren Antworten nicht davon betroffen. Im Industriesektor sind es nur 20 Prozent und im Dienstleistungssektor 95 Prozent der Unternehmen. Beat Bechtold, sagt dazu: «Die grösste Herausforderung der US-Zölle sind nicht die Zollsätze an sich, sondern die daraus resultierende anhaltende Unsicherheit. Die mangelnde Planbarkeit erschwert Investitionsentscheide und verzögert zentrale Weichenstellungen."

Wirtschaftsstandort Aargau vor grossen Herausforderungen

Zunehmender Protektionismus, anhaltend schwaches Wachstum bei den wichtigsten Handelspartnern sowie der strukturell starke Franken und das hohe Lohnniveau erhöhen laut AIHK-Umfrage den Druck auf den Wirtschaftsstandort Aargau. Insgesamt bewerten ihn die Unternehmen zwar als gut, jüngste Entwicklungen zeigen jedoch die Notwendigkeit, dass die Politik den Fokus an den Interessen der Unternehmen ausrichtet. Denn das internationale Umfeld sei sehr dynamisch und die Standortqualität müsse folglich ständig verbessert werden, damit die Bewertung auch künftig positiv ausfällt.

Ruf nach weiterer Gewinnsteuersenkung

AIHK-Direktor Bechtold: «Damit der Kanton Aargau im vollen Umfang von der neuen Mitgliedschaft bei der Greater Zurich Area profitieren kann, soll die nächste Gewinnsteuersenkung für die Unternehmen geplant werden. Gleichzeitig profitieren so auch bereits ansässige Unternehmen.» Ausserdem müsse bei geplanten Ansiedlungen, wie jene, die aktuell in der Gemeinde Wettingen zur Diskussion steht, die ansässige Bevölkerung der Region von Anfang an vollständig und transparent informiert und miteinbezogen werden, damit die daraus resultierenden Chancen für den regionalen Wirtschaftsraum aufgezeigt werden können.

Bechtold: «Sorgen müssen ernst genommen und breiter diskutiert werden. Schlussendlich müssen auch Lösungen dafür gefunden werden.» Dabei gelte es insbesondere auch die Interessen der lokalen KMU zu berücksichtigen. Es sollen nicht nur internationale Konzerne im Fokus stehen, sondern auch bei den Interessen der lokalen KMU sollten die Behörden mehr Flexibilität und Gestaltungswillen zeigen, so die AIHK.

Die vollständigen Ergebnisse der Wirtschaftsumfrage finden Sie auf der Website www.aihk.ch/wirtschaftsumfrage.

Über die AIHK

Die Aargauische Industrie- und Handelskammer versteht sich als die Stimme der Aargauer Wirtschaft in Politik und Gesellschaft und setzt sich für gute unternehmerische Rahmenbedingungen ein. Gleichzeitig beraten und begleitet sie ihre Mitgliedfirmen und bietet ihnen verschiedene Dienstleistungen wie Rechts- und Exportberatung, Netzwerkveranstaltungen und Seminare an. Ihre mehr als 2100 Mitgliedfirmen beschäftigen rund ein Drittel der Arbeitnehmenden im Kanton.