Wie ist das Potenzial für selbstfahrende Rufbusse im öV im Aargau?
Tim Voser, FDP, Neuenhof (Sprecher), Alain Bütler SVP, Kallern, Marius Fedeli, SP, Buchs haben heute im Grossen Rat ein Postulat betreffend Automatisierte Fahrzeuge im öffentlichen Verkehr eingereicht. Es geht um die Potenziale für den ganzen Kanton
Der Regierungsrat soll eingeladen werden, zu prüfen und zu berichten, wie und in welcher Form automatisierte Fahrzeuge – etwa fahrerlose Kleinbusse oder bedarfsorientierte Rufbusse – im Kanton Aargau als Ergänzung oder als effizientere Alternative zum bestehenden öffentlichen Verkehr eingesetzt werden können. Dabei seien technische, rechtliche, betriebliche und finanzielle Voraussetzungen sowie Nutzen und Risiken zu beleuchten. Zudem soll aufgezeigt werden, wie solche Angebote in die kantonale Strategie mobilitätAARGAU integriert werden können.
Begründung: Der öffentliche Verkehr im Kanton Aargau sieht sich mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert: In Städten und Agglomerationen besteht Bedarf nach besserer Anbindung und Taktung; in kleineren Gemeinden und Randregionen führen wirtschaftliche Zwänge oft zu eingeschränkten Fahrplänen oder Lücken in der Versorgung. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an einen umweltschonenden, zugänglichen und bezahlbaren Verkehr.
Sinnvoll zum Beispiel für Quartiere ohne regelmässige Busanbindung?
Automatisierte Fahrzeuge – also fahrerlose, überwachte Fahrzeuge im Linien- oder Rufbetrieb – bieten neue Möglichkeiten, diesen Anforderungen zu begegnen, schreiben die drei Postulanten. Sie könnten bestehende Angebote sinnvoll ergänzen: zum Beispiel in Quartieren ohne regelmässige Busanbindung, bei der Feinerschliessung von Siedlungsgebieten, bei Fahrten zu Randzeiten oder für die Verbindung zu Bahnhöfen.
Dabei versprechen sie geringere Betriebskosten, bedarfsgerechten Einsatz sowie elektrisch betriebene, leise Fahrzeuge. Der Kanton Aargau beteiligt sich bereits heute mit 1,9 Millionen Franken am Projekt «iamo», das in Zusammenarbeit mit Partnern wie PostAuto, den SBB und dem Swiss Transit Lab erste Erfahrungen mit fahrerlosen Fahrzeugen im Strassenverkehr sammelt.
Im Testgebiet zwischen Würenlos, Killwangen und dem zürcherischen Furttal entsteht ein Netz mit über 100 Kilometern Länge und über 400 Haltepunkten, das ab 2026 von automatisierten Fahrzeugen bedient werden soll – unter Aufsicht einer Leitstelle und gestützt auf eine Bewilligung des Bundesamts für Strassen (ASTRA). Im Rahmen der Strategie mobilitätAARGAU wird die Nutzung neuer Technologien als einer der zentralen Entwicklungspfeiler bezeichnet.
Automatisierte Fahrzeuge können dazu beitragen, die Erreichbarkeit im ganzen Kanton zu verbessern, Versorgungslücken zu schliessen, neue Betriebsformen zu erproben und die Umweltbelastung zu reduzieren, heisst es im Vorstoss weiter. Diese Chancen gilt es frühzeitig systematisch zu prüfen.
Der Regierungsrat wird daher eingeladen, aufzuzeigen, in welchen Regionen und unter welchen Bedingungen solche Angebote künftig sinnvoll eingesetzt werden könnten und welche nächsten Schritte dafür notwendig wären – auch mit Blick auf den dauerhaften Betrieb über Pilotprojekte hinaus. Dabei sei insbesondere auch zu prüfen und zu berichten, wie und in welcher Form automatisierte Fahrzeuge – etwa fahrerlose Kleinbusse oder bedarfsorientierte Rufbusse – im Kanton Aargau als kosteneffiziente Ergänzung oder kostengünstigere Alternative zum bestehenden öffentlichen Verkehr eingesetzt werden können.
Auch Modelle mit privaten Anbietern prüfen
Es sind dabei technische, rechtliche, betriebliche und insbesondere finanzielle Voraussetzungen sowie Nutzen und Risiken zu beleuchten. Zudem soll aufgezeigt werden, welche Kosten anfallen und welche möglichen Finanzierungsmodelle in Frage kommen. Dazu gehören insbesondere Modelle mit privaten Anbietern oder Public-Private-Partnership-Ansätze, wobei auch weitere Finanzierungsformen zu prüfen sind. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls darzulegen, inwiefern Gemeinden und Städte eine Mitfinanzierung übernehmen könnten und ob beziehungsweise unter welchen Voraussetzungen dies sinnvoll und tragfähig wäre. Schliesslich sei aufzuzeigen, wie solche Angebote in de kantonale Strategie mobilitätAARGAU integriert werden können.