Was hat der Kanton aus vielen Krankheitsfällen von Polizeischülern nach einer Übung in der Reuss gelernt?
In einer Interpellation stellt Stefan Dietrich, SP, Bremgarten, im Grossen Rat Fragen Gesundheitsrisiken und Gewässerqualität der Reuss – Lehren aus den Erkrankungen bei Übungen der Polizeischule Hitzkirch.
Darum geht es: Im Sommer 2025 kam es im Zusammenhang mit Ausbildungsübungen der Polizeischule Hitzkirch in der Reuss bei Bremgarten zu einer grossen Zahl von Magen-Darm-Erkrankungen unter den teilnehmenden Rekruten und Rekrutinnen. Medienberichten zufolge mussten zahlreiche Personen medizinisch behandelt werden, einige wurden hospitalisiert, schreibt Dietrich. Laborbefunde wiesen auf eine Infektion mit Escherichia coli-Bakterienstämmen hin, was auf eine fäkale Belastung des Flusswassers hinweist.
"Reuss wurde schon mehrfach nach Starkregen oder landwirtschaftlichen Einleitungen als zeitweise stark verschmutzt beschrieben"
In der Vergangenheit sei die Reuss mehrfach nach Starkregen oder landwirtschaftlichen Einleitungen als zeitweise stark verschmutzt beschrieben worden, heisst es im Vorstoss weiter. Auch Freizeitnutzer und Freizeitnutzerinnen hätten über gesundheitliche Beschwerden nach Wasserkontakt berichtet. Gleichzeitig gebe es an der Reuss keine regelmässigen öffentlichen Warnhinweise über die momentane Wasserqualität.
Die Reuss ist ein wichtiges Gewässer mit grosser Bedeutung für Natur, Freizeit, Fischerei und Ausbildung. Der Vorfall werfe deshalb Fragen zu Überwachung, Information, Zuständigkeiten und Prävention auf. Vor diesem Hintergrund wird der Regierungsrat um die Beantwortung der folgenden Fragen ersucht:
- Beurteilung des Vorfalls: a) Welche Erkenntnisse liegen dem Regierungsrat zu den Erkrankungen der Polizeirekruten und Polizeirekrutinnen in der Reuss bei Bremgarten vor? b) Welche Stellen waren in die Abklärungen eingebunden (z. B. Kantonsärztlicher Dienst, Gewässerschutzfachstellen, Umweltlabor)?
- Gewässerqualität und Monitoring: a) Wie wird die mikrobiologische Qualität (z. B. E. coli, Enterokokken) der Reuss derzeit über wacht? b) In welchen zeitlichen Abständen und an welchen Messpunkten erfolgen die Analysen? c) Sind diese Daten öffentlich zugänglich, und werden sie bei Überschreitungen kommuniziert?
- Ursachenanalyse: a) Welche möglichen Ursachen für die erhöhte fäkale Belastung im Abschnitt Bremgarten Mellingen sind bekannt (z. B. Regenüberläufe, Landwirtschaft, Mischkanalisation)? b) Plant der Regierungsrat, diese Ursachen genauer untersuchen oder priorisieren zu lassen?
- Gesundheits- und Informationsschutz: a) Welche rechtlichen Grundlagen oder Kompetenzen bestehen, um bei akuter Verschmutzung von Fliessgewässern temporäre Bade- oder Übungsverbote auszusprechen? b) Gibt es Überlegungen, ein öffentlich zugängliches Warnsystem (ähnlich wie bei Badeseen) für Fliessgewässer einzuführen?
- Prävention und Koordination a) Inwiefern arbeitet der Kanton Aargau mit Ausbildungsinstitutionen (Polizeischule, Feuerwehr, Rettungsdienste, Sportverbände) zusammen, um Gesundheitsrisiken bei Übungen im Wasser zu minimieren? b) Plant der Regierungsrat, verbindliche Empfehlungen oder Standards für solche Übungen zu erlassen (z. B. obligatorische Wasserqualitätsprüfung vor Durchführung)?
- Langfristige Massnahmen: a) Welche Massnahmen sind vorgesehen, um die Belastung der Reuss – insbesondere durch fäkale Einträge – dauerhaft zu reduzieren? b) Welche Investitionen in Abwasser- oder Gewässerschutzinfrastruktur sind dafür notwendig oder bereits geplant?