"Runder Tisch Baubewilligungen" einigt sich auf konkrete Massnahmen
Der vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) einberufene "Runde Tisch Baubewilligungen" hatte ein klares Ziel: Die Baubewilligungsverfahren effizienter zu gestalten und zu beschleunigen. Die Teilnehmenden (siehe Box) aus Behörden und Wirtschaft haben sich nun auf konkrete Massnahmen geeinigt. So soll die vollständige und flächendeckende Digitalisierung des Baubewilligungsverfahrens umgesetzt und der Wissenstransfer zwischen den Beteiligten verbessert werden. Zudem sollen auch auf Gemeindestufe – wie bereits auf Kantonsebene – Fristenziele eingeführt werden. Dies teilt der Kanton mit.
Im Baubewilligungsverfahren werden Vorhaben auf ihre Übereinstimmung mit dem öffentlichen Recht überprüft. Zugleich müssen die Verfahren den Investoren und Bauherrschaften Rechts- und Planungssicherheit gewährleisten. Gleichzeitig führen Aspekte wie das Bevölkerungswachstum und das verdichtete Bauen zu wachsendem Widerstand aus der Bevölkerung gegen Bauvorhaben. Themen wie Klimaschutz und Mobilitätsfragen führen zu zusätzlicher Komplexität in den Verfahren. Zugleich sind kurze Bewilligungsverfahren ein wichtiger Standortvorteil im Wohn- und Wirtschaftskanton Aargau, heisst es in der Mitteilung weiter.
Um eine Beschleunigung der Baugesuchsverfahren zu bewirken, wurde das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) auf mehreren Ebenen aktiv. Einerseits will das BVU mit der aktuell laufenden Revision des Baugesetzes die Grundlage für eine elektronische Abwicklung baugesetzlicher Verfahren schaffen: Unter anderem soll das ganze Baugesuchsverfahren von der Eingabe bis zum Entscheid digital erfolgen. Das Geschäft wurde in einer ersten Lesung im Grossen Rat grundsätzlich unterstützt, für die zweite Lesung sind noch Detailfragen zu klären.
Verbundaufgabe mit verschiedenen Akteuren
Andererseits habe das BVU seine koordinierende Funktion wahrgenommen und habe dazu einen "Runden Tisch Baubewilligungen" mit den in dieser Frage wichtigsten Akteuren (Box) ins Leben gerufen, heisst es weiter. Dies vor dem Hintergrund, dass Bewilligungs- und Planungsverfahren Verbundaufgaben darstellen, bei denen alle Beteiligten einen Beitrag leisten können: Kanton, Gemeinde, Planer, Bauherren. Dabei gilt der Grundsatz: Im Kanton Aargau sind die Gemeinden beziehungsweise die Gemeinderäte sowohl Träger der kommunalen Nutzungsplanung wie auch Baubewilligungsbehörden. Gesamthaft werden gemäss Schätzungen kantonsweit jährlich rund 20'000 Baugesuche bearbeitet. Die kantonalen Behörden sind in Bezug auf Baugesuche innerhalb der Bauzonen bei deutlich weniger als 10 Prozent der Gesuche beteiligt, etwa wenn Kantonsstrassen, Gewässer oder spezifische Umweltbelange betroffen sind.
"Runder Tisch Baubewilligungen" verabschiedet konkrete Massnahmen
Der "Runde Tisch Baubewilligungen" ist ebenfalls eine Massnahme zur Umsetzung eines vom Regierungsrat Anfang 2025 entgegengenommenen Postulats aus dem Grossen Rat, das eine effiziente Durchführung und eine Beschleunigung von Bauverfahren forderte. Der erste "Runde Tisch Baubewilligungen" mit ebendieser gemeinsamen Zielsetzung fand bereits im Mai 2025 statt. Die dort gesammelten Massnahmen wurden danach auf Fachebene mit Vertretern von Kanton und Gemeinden – Delegationen des Verbands Aargauer Gemeindeschreiberinnen und -schreiber sowie des Bauverwalterverbands – beurteilt und konkretisiert. Diese wurden anschliessend mit Vertretern der Wirtschaft gespiegelt und im zweiten "Runden Tisch" von Ende Februar 2026 diskutiert. Die Runden Tische wurden von Maurus Büsser, Generalsekretär des BVU, moderiert, BVU-Vorsteher Stephan Attiger hat an beiden persönlich teilgenommen.
Folgende Massnahmen wurden verabschiedet:
- Digitalisierung: Der Kanton und die Gemeindeverbände streben eine möglichst vollständige Digitalisierung des Baubewilligungsverfahrens an. Das Einreichen von Baugesuchen soll einfach, papierlos und medienbruchfrei sein. Mit der Digitalisierung wird zudem eine höhere Qualität und Vollständigkeit der Gesuchsunterlagen angestrebt. Wichtige Voraussetzung dafür ist ein möglichst flächendeckendeckendes Ausrollen der neuen kantonalen Applikation eBau.
- Fristenvorgaben: Für den Kanton gelten bereits heute Fristenvorgaben für die Behandlung von Baugesuchen: 50 Prozent der Gesuche sind innert 30 Tagen zu erledigen, 85 Prozent innert 60 Tagen. Für die Gemeinden bestanden bisher keine Fristenziele. Die beteiligten Gemeindeverbände streben neu an, dass 50 Prozent der Baugesuche innert 70 Tagen und 85 Prozent innert 100 Tagen abzuwickeln sind. Die gegenüber dem Kanton längeren Fristen ergeben sich aus der Pflicht zur Publikation der Baugesuche. Ein Monitoring über die Einhaltung der Fristen wird nach der Einführung der digitalen Bauverwaltungssoftware eBau voraussichtlich ab dem Jahr 2028 möglich sein.
- Standardprozess Ablauf Baugesuch: Der Bauverwalterverband erarbeitet für die Gemeinden Musterabläufe und Checklisten, um diese mit dem Ziel einer raschen Gesuchsabwicklung in hoher Qualität zu unterstützen. Zudem wird den Gemeinden empfohlen, von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, Bewilligungskompetenzen an die Verwaltung zu delegieren, um eine schnellere Bearbeitung zu ermöglichen.
- Wissenstransfer: Bereits heute bietet das BVU zusammen mit dem Bauverwalterverband Weiterbildungen für das Personal der Gemeinden an. Diese Kooperation soll künftig ausgebaut werden. So wird demnächst ein Kurs angeboten, wie ein erstinstanzliches Einwendungsverfahren speditiv und rechtssicher durchgeführt werden kann. Angestrebt wird zudem der Einbezug von Industrie und Gewerbe.
- Regelmässiger Austausch: Behörden- und Wirtschaftsvertreter möchten sich auch in Zukunft periodisch treffen, um gemeinsam Lösungen und Optimierungen für effiziente Baugesuchsverfahren zu finden. Unter anderem sollen die "Runden Tische" in regelmässigen Abständen wiederholt werden – dies zugunsten des Standorts Aargau, der Aargauer Wirtschaft und der Bevölkerung.
Am zweiten "Runden Tisch Baubewilligungen" wurden ausserdem verschiedene Massahmen diskutiert, die von den Vertretern der Wirtschaftsverbände vorgestellt wurden: So können etwa Massnahmen und Möglichkeiten der Beschleunigung von Verfahren in ihren Publikationsorganen thematisiert werden, die lokale Standortförderung kann einbezogen werden, es können frühzeitig Kontakte zwischen allen Stakeholdern geknüpft werden, und es können mit Hilfe lokaler Architektur- und Planungsbüros verstärkte Anstrengungen unternommen werden, damit Baugesuche möglichst vollständig und umfassend eingereicht werden. Zudem können sowohl die Wirtschaftsverbände ihre Mitglieder als auch die Verwaltungen ihre Mitarbeitenden für die gegenseitigen Rollen, Bedürfnisse und Anliegen sensibilisieren und Verständnis wecken – und damit die gegenseitige Akzeptanz erhöhen.
Positive Bilanz der beteiligten Akteure
Die Bilanz zu den "Runden Tischen Baubewilligung" fällt bei allen beteiligten Akteuren positiv aus, die beschlossenen Massnahmen werden laut Mitteilung einhellig begrüsst:
"Wir konnten in einem konstruktiven Klima gemeinsam erste gute und griffige Lösungen finden, um das Baubewilligungsverfahren zu beschleunigen. Ich danke allen Beteiligten für ihre Bereitschaft, bei diesem Prozess mitzuwirken und einen aktiven Beitrag zu leisten."
Regierungsrat Stephan Attiger, Vorsteher Departement Bau, Verkehr und Umwelt
- Daniel Marti, Geschäftsführer der Gemeindeammänner Vereinigung des Kantons Aargau (GVA): "Wir schätzten den Austausch mit den involvierten Anspruchsgruppen sehr und begrüssen die gemeinsamen Zielsetzungen."
- Michael Widmer, Präsident des Verbands Aargauer Gemeindeschreiberinnen und Gemeindeschreiber (AGG): "Die konstruktiven und offenen Gespräche ermöglichten den Behördenvertretern Einblicke in die Schwierigkeiten, die sich für die Wirtschaft aufgrund langer Bewilligungsverfahren ergeben. Der direkte Dialog zwischen Behörden und Wirtschaftsvertretern ist sehr wertvoll."
- Jlko Müller, Präsident Aargauischer Bauverwalterinnen- und Bauverwalterverband: "Durch das Schaffen eines medienbruchfreien digitalen Baubewilligungsprozesses zwischen Bauherren, Gemeinden und kantonalen Stellen lässt sich das Baubewilligungsverfahren spürbar vereinfachen und hat somit einen direkten Impakt auf die Qualität und die Dauer der Baubewilligung."
- Dr. Hans R. Schibli, Vizepräsident und Konsulent des Aargauischen Gewerbeverbands (AGV): "Die Beschleunigung von Baubewilligungsverfahren ist eine gemeinsame Aufgabe von Kanton, Gemeinden, Planenden und Bauherrschaften. Der AGV wird seine Mitglieder weiterhin dabei unterstützen, damit Baubewilligungsverfahren im Kanton Aargau zu einem echten Standortvorteil werden und Investitionen nicht an unnötig langen oder unnötig komplexen Abläufen scheitern."
- Beat Bechtold, Direktor der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK): "Die AIHK-Wirtschaftsumfrage aus dem Jahr 2025 hat das Bedürfnis nach schnelleren Baubewilligungsverfahren deutlich aufgezeigt. Dass dies nun in diesem Projekt und konkreten Massnahmen auf kommunaler und kantonaler Ebene mündet, ist erfreulich. Da es sich bei diesen Bewilligungsverfahren um eine Verbundaufgabe handelt, ist es bedeutend, dass alle betroffenen Akteure an einem Strick ziehen. Geeignete Bauflächen für Unternehmen im Aargau sind knapp, umso wichtiger ist, dass Wirtschaft und Behörden zusammenarbeiten. Effiziente und rasche Verfahren sind ein entscheidender Faktor für einen attraktiven Wirtschaftsstandort Aargau."
Hinweis: Teilnehmende "Runder Tisch Baubewilligungen":
Der "Runde Tisch Baubewilligungen" wurde vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt initiiert und durchgeführt. Folgende Verbände, Organisationen und Verwaltungsstellen haben teilgenommen: GemeindeammännerVereinigung des Kantons Aargau, Verband Aargauer Gemeindeschreiberinnen und Gemeindeschreiber, Aargauischer Bauverwalterinnen- und Bauverwalterverband, Aargauischer Gewerbeverband (AGV), Aargauische Industrie- und Handelskammer (AIHK), kantonale Standortförderung, weitere betroffene Fachstellen des Kantons.