Studie zeigt: Aargau erfüllt Aufgaben insgesamt günstiger als andere Kantone

Studie zeigt: Aargau erfüllt Aufgaben insgesamt günstiger als andere Kantone

Der Kanton Aargau weist im interkantonalen Vergleich ein sehr tiefes Ausgabenniveau auf. Die Nettoausgaben pro Kopf der Bevölkerung liegen im Kanton Aargau 24 Prozent unter dem Durchschnitt der übrigen Kantone. Das zeigt laut einer Mitteilung der Staatskanzlei eine Evaluation des Finanzhaushalts, die BAK Economics im Auftrag des Regierungsrats 2025 durchgeführt hat. Der Regierungsrat hat die Ergebnisse der Studie erfreut zur Kenntnis genommen und sieht sich in seiner bisherigen Finanz- und Ausgabenpolitik bestätigt.

2024 Beschluss für eine Aufgaben- und Leistungsanalyse

Im November 2024 hat der Regierungsrat beschlossen, eine Aufgaben- und Leistungsanalyse (ALAN) durchzuführen. Damit soll die Verwaltung weiterentwickelt und modernisiert werden. Die ALAN soll aber auch dazu beitragen, den Kantonshaushalt in einem Umfeld von steigenden Erwartungen, anhaltendem Aufgaben- und Mengenwachstum, Bundesreformen und wirtschaftlichen Unsicherheiten im Gleichgewicht zu halten.

Im Rahmen dieser Analyse hat der Regierungsrat das Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics nach 2016 zum zweiten Mal beauftragt, eine Evaluation des kantonalen Finanzhaushalts durchzuführen. BAK hat eine Methodik zur Analyse der Kostenstrukturen in Verbindung mit einem interkantonalen Benchmarking entwickelt. Diese ist breit akzeptiert und wurde bereits in zahlreichen Kantonen angewendet. Der Kantonsvergleich dient dazu, überdurchschnittlich hohe Kosten zu erkennen.

Unterdurchschnittliches Kostenniveau im Kanton Aargau

Hat Grund zur Freude: Finanzdirektor Markus Dieth. Foto: Michael Küng

Die im Jahr 2025 durchgeführte BAK-Studie zeigt laut Mitteilung, dass das Kostenniveau im Kanton Aargau deutlich unter dem Durchschnitt liegt. So sind die gesamten Nettoausgaben pro Kopf der Bevölkerung im Aargau über alle 32 untersuchten Aufgabenfelder 24 Prozent tiefer als jene der übrigen Kantone. Werden die nicht beeinflussbaren Strukturkosten (etwa aufgrund der Bevölkerungsstruktur) von den Nettoausgaben abgezogen, liegt das Kostenniveau im Kanton Aargau 16 Prozent unter dem Durchschnitt.

Der Regierungsrat ist erfreut über die Ergebnisse der Studie. "Das bereits vergleichsweise tiefe Ausgabenniveau, das die Studie aus dem Jahr 2016 belegte, ist trotz der vielen neuen Herausforderungen weiter gesunken," erklärt Finanzdirektor Markus Dieth. Dies zeige, dass der Kanton Aargau trotz Mengenwachstum und überdurchschnittlicher Bevölkerungszunahme seine Haushaltspolitik der schlanken und effizienten Mittelverwendung in den vergangenen Jahren erfolgreich fortgeführt habe, so Dieth.

Besonders erfreulich sei das Ergebnis im Aufgabenfeld "Allgemeine Verwaltung", das die zentralen Dienste der Kantonsverwaltung umfasst, beispielsweise die Personalverwaltung, die Finanz- und Steuerverwaltung, die Staatskanzlei sowie die Departementssekretariate. "Es zeigt sich einmal mehr, dass der Kanton Aargau bei diesen Aufgaben ein stark unterdurchschnittliches und schweizweit eines der tiefsten Kostenniveaus aufweist," ergänzt Dieth, und weiter: "Es ist erfreulich, dass es dem Kanton Aargau gelungen ist, seine Finanzen in den letzten Jahren schlank und effizient zu führen – trotz steigenden Bedürfnissen und Aufgaben sowie überdurchschnittlicher Bevölkerungszunahme."

Vergleichsweise unterdurchschnittliche Finanzkraft

Die BAK-Studie zeigt auf der anderen Seite nicht nur, dass der Kanton Aargau insgesamt weniger Geld ausgibt als viele andere Kantone, ihm steht auch weniger Geld zur Verfügung. Gemäss den Berechnungen liegt seine Finanzkraft unter Berücksichtigung des Ressourcenpotenzials, der Steuerausschöpfung, den Zahlungen aus dem Finanzausgleich sowie der Erträge aus Beteiligungen und Konzessionen 27 Prozent unter dem Durchschnitt der übrigen Kantone.

"Eingeschränkter Handlungsspielraum – kein Spardruck"

Wird das Kostenniveau des Kantons Aargau unter Berücksichtigung seiner Finanzkraft mit dem Durchschnitt der Kantone verglichen, zeige sich, heisst es weiter, dass die Ausgaben in den kostendynamischen und demografieabhängigen Bereichen Schulen und Spitalversorgung leicht über diesem Vergleichswert liegen. Umso erfreulicher sei es, dass in diesen Bereichen der Anstieg der Nettokosten seit 2016 im interkantonalen Vergleich aber moderater verlief.

Überdurchschnittliche Schulausgaben

Dennoch seien die Entwicklungen im Auge zu behalten, auch wenn der Handlungsspielraum begrenzt ist. Die leicht überdurchschnittlichen Ausgaben bei den Schulen dürften auf die kleinräumige Schulstruktur auf Primarschulstufe sowie auf die vergleichsweise hohe Sonderschulquote im Kanton Aargau zurückzuführen sein, wie es dazu weiter heisst. Bei der Spitalversorgung ist der überwiegende Anteil der Kosten aufgrund bundesrechtlicher Vorgaben gebunden. Zudem liegt das Kostenniveau unter anderem in der Altersstruktur des Kantons begründet.

Handlungsspielraum begrenzt

Insgesamt bestätigt die Studie laut Mitteilung die Effektivität der bisherigen Finanzpolitik des Kantons Aargau, die wesentlich zur heutigen soliden Finanzlage beigetragen hat. Es bestehe kein Spardruck – auch das zeige die Analyse von BAK. Der Handlungsspielraum für zusätzliche Ausgaben sei aber trotz des grossmehrheitlich unterdurchschnittlichen Kostenniveaus begrenzt, denn auch die unterdurchschnittliche Finanzkraft ist dabei zu berücksichtigen.

Markus Dieth, Finanzdirektor: "Das tiefe Ausgabenniveau ist erfreulich, birgt aber auch Risiken: Wenn wir zu wenig Spielraum haben, kann das mittelfristig die Qualität und Verlässlichkeit der Leistungserbringung beeinträchtigen. Gerade in Bereichen mit wachsendem Bedarf müssen wir sorgfältig abwägen, wo Effizienz möglich und wo ausreichende Mittel nötig bleiben, damit der Kanton seine Aufgaben weiterhin wirksam erfüllen kann." Daher gilt es, die umsichtige und vorausschauende Finanzpolitik fortzusetzen – sowohl ausgaben- als auch einnahmenseitig, so Dieth.

Darum ging es bei der Aufgaben- und Leistungsanalyse

Die vom Regierungsrat 2024 beschlossene Aufgaben- und Leistungsanalyse (ALAN) soll dazu beitragen, die Verwaltung zu modernisieren und die Auswirkungen des anhaltend starken Bevölkerungswachstums sowie von Umfeldentwicklungen finanziell und ressourcenmässig zu bewältigen. Denn der Regierungsrat will den Kantonshaushalt weiterhin ausgeglichen gestalten, um den finanziellen Handlungsspielraum für wettbewerbsfähige steuerliche Rahmenbedingungen und für strategische Investitionen zur wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Weiterentwicklung des Kantons wahren zu können. Aufgrund der stabilen finanziellen Lage ist die ALAN nicht mit konkreten Sparzielen verknüpft.

Die ALAN umfasst drei Module. In der ersten Phase (Modul 1) wird – bezogen auf 32 Aufgabenfelder – ein Kantonsvergleich durchgeführt, um allfällige, überdurchschnittlich hohe Kosten beziehungsweise überdurchschnittliches Kostenwachstum erkennen zu können. Diese Phase ist mit der Publikation der Studienresultate abgeschlossen.

In Modul 2 wird über die ganze Kantonsverwaltung des Kantons Aargau hinweg erhoben, welche Leistungen heute erbracht beziehungsweise Aufgaben erfüllt, welche Ressourcen dazu beansprucht werden und wie die zu erwartende Entwicklung in den nächsten fünf bis zehn Jahren aussieht.

Aufgrund der Erkenntnisse aus den Modulen 1 (Vergleichsstudie) und 2 (systematische Erhebung und Analyse der Aufgaben und Leistungen) legt der Regierungsrat dann fest, in welchen Aufgabenbereichen oder spezifischen Themen weitergehende Analysen beziehungsweise Schwerpunktprüfungen sinnvoll sind (Modul 3).

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