Spuren des ersten Truppenlagers - bedeutende Funde in Vindonissa
| Übersicht über das rund 3200 Quadratmeter grosse Grabungsareal. | |
| Bildnachweis / Copyright | © Kanton Aargau |
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Im Vorfeld einer grossen Wohnüberbauung in Windisch führt die Kantonsarchäologie seit Mitte August 2025 eine Rettungsgrabung durch. Die Überreste zeugen vom frühesten Truppenlager in Vindonissa und dessen Befestigungssystem. Unter den zahlreichen Funden ist auch eine Seltenheit zu verzeichnen: ein verkohltes römisches Brot. Dies teilt der Kanton mit.
Zwischen der Zürcherstrasse und der Scheuergasse in Windisch ist eine Wohnüberbauung in einem rund 4000 Quadratmeter grossen Areal geplant. Der Bauplatz liegt unmittelbar vor der Südwestfront des römischen Legionslagers Vindonissa. Bevor die archäologischen Hinterlassenschaften dem Bauprojekt weichen müssen, werden sie in einer rund elfmonatigen Rettungsgrabung seit Mitte August 2025 wissenschaftlich dokumentiert.
Lagermauer aus Holz und Erde
Im Süden und Westen des Areals fand man an zwei Stellen Hinweise auf eine Befestigung, die älter sein muss als das gut erforschte Verteidigungssystem des Legionslagers des 1. Jahrhunderts n. Chr. Zwei parallel verlaufende Gräben mit Standspuren von regelmässig darin eingesetzten Pfosten belegen den Verlauf einer Holz-Erde-Mauer. Direkt südlich davon liess sich der Ansatz eines Spitzgrabens fassen. Ein ganz ähnlicher Spitzgraben war erstmals vor über 90 Jahren von den Pionieren der Vindonissa-Forschung weiter nördlich, im Park von Königsfelden, entdeckt worden.
Mit dem neu aufgedeckten Spitzgraben an der Zürcherstrasse kann nun erstmals die Grösse des ersten römischen Truppenlagers von Vindonissa abgeschätzt werden, seine Nord-Süd-Ausdehnung betrug demnach fast 400 Meter. Im weiteren Grabungsverlauf klärt sich hoffentlich dank dieses Befunds auch die Frage nach dem definitiven Zeitpunkt des Ausbaus vom temporären Militärstützpunkt zum fixen Legionslager: Noch unter Kaiser Augustus, oder erst nach dessen Tod im Jahre 14 n. Chr. unter seinem Nachfolger Tiberius?
Spuren der Innenbebauung
Im Innenbereich des älteren Lagers, gut konserviert durch die darüberliegende jüngere römische Strasse, liess sich ein Gebäude mit zwei gleich angelegten Raumgruppen fassen. Dabei lagen zwei kleine Räume jeweils neben einem grossen Raum mit Feuerstelle. Andernorts finden sich Hinweise auf die Handwerkstätigkeiten zur Zeit des jüngeren Legionslagers, eine auffällige Zahl an Werkzeugen aus Metall zusammen mit Schmiedeabfällen, aber auch Lanzen- und Geschossspitzen. Ein grosser, sorgfältig gebauter Ofen aus Lehm liegt direkt innerhalb der Mauern des älteren Lagers und zeigt, dass die Zone direkt hinter der Lagermauer wohl bereits in der Frühzeit von Vindonissa für gewerbliche Tätigkeiten genutzt wurde.

Der besondere Fund
Unter den zahlreichen Funden ist laut Mitteilung auch eine Seltenheit zu verzeichnen. Ein schwarz verkohltes, rundes Objekt erregte bei den Freilegungsarbeiten die Aufmerksamkeit des Grabungsteams. Das Objekt wurde mit der umliegenden Erde im Block geborgen und umgehend ins Restaurierungslabor der Kantonsarchäologie gebracht. Hier wurde das Objekt sorgfältig freigelegt.
Ein erster Augenschein eines Archäobotanikers der Integrativen und Naturwissenschaftlichen Prähistorischen Archäologie der Universität Basel zeigte, dass es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um ein verkohltes römisches Brot handelt. Das mutmassliche Gebäck besitzt einen Durchmesser von zehn Zentimetern und ist etwa drei Zentimeter dick – es sieht aus wie ein kleines Fladenbrot. Nähere wissenschaftliche Analysen an einem Speziallabor in Wien sind geplant und werden hoffentlich die Zusammensetzung des Brotes offenbaren. Funde von römischen Broten sind äusserst selten. Diese erhalten sich nur, wenn sie verbrannt sind, wie beispielsweise Brote in der Bäckerei des römischen Pompeji. Der Fund des schweizweit ersten römischen Brotes untermauert einmal mehr, wie bedeutend der Fundplatz Vindonissa für die archäologische Wissenschaft ist.
Tag der offenen Grabung am 9. Mai
Die Ausgrabung an der Zürcherstrasse dauert noch bis Ende Juli 2026. Am Samstag, dem 9. Mai 2026, findet von 10 bis 16 Uhr ein Tag der offenen Grabung statt. Interessierte erhalten auf stündlichen Führungen Einblick in die laufenden Ausgrabungsarbeiten. An verschiedenen Stationen gibt es Informationen zu den einzelnen Arbeitsschritten und es wird eine Auswahl an Funden präsentiert. Der Eintritt ist frei und ohne Anmeldung. Alle Interessierten sind herzlich willkommen.