Solarstrom vom Dach des Gewerbebetriebs direkt zur Bäckerei oder ins Wohnhaus nebenan?

Solarstrom vom Dach des Gewerbebetriebs direkt zur Bäckerei oder ins Wohnhaus nebenan?
Christian Strebel bei seinem Referat. Foto: VAS/ZVG

Mit neuen Modellen wie virtuellen Zusammenschlüssen (vZEV) und Lokalen Elektrizitätsgemeinschaften (LEG) will der Bund die Energiewende beschleunigen. Doch wie bewähren sich die Modelle im Alltag? Am Praxiszirkel des Verbands Aargauischer Stromversorger (VAS) in Aarau diskutierten Fachleute über Chancen, administrative Hürden und die Zukunft des lokalen Solarstromhandels, wie der Verband mitteilt.

Solarstrom vom Dach des Gewerbebetriebs direkt zur Bäckerei oder ins Wohnhaus nebenan transportieren – was einfach klingt, bedeute hinter den Kulissen einen enormen Kraftakt, heisst es dazu. Am 27. Oktober lud der Verband Aargauischer Stromversorger (VAS) Energiefachleute, Netzbetreiber und Branchenvertreter in die ELFA Eventhalle nach Aarau ein.

Unter dem Titel «Erfahrungen mit Energiegemeinschaften: Fakten, Trends und Lösungswege» zog die Branche eine erste, kritische Zwischenbilanz. Zwischen technischem Kraftakt und neuen Geschäftsfeldern Die gesetzlichen Vorgaben aus dem Mantelerlass haben die Verteilnetzbetreiber (VNB) vor grosse Aufgaben gestellt: Sie müssen Gründungen von Gemeinschaften ermöglichen, den Rollout von Smart Metern vorantreiben, komplexe 15-Minuten-Messdaten bereitstellen und Sondertarife für Netzentgelte zuverlässig abrechnen.

Wie unterschiedlich die regionalen Versorger diese Rolle ausfüllen, zeigten Christian Strebel (Energie Freiamt AG) und Ingo Siefermann (TBS Strom AG). Während einige Versorger primär als neutrale Netzabwickler agieren, nutzen andere die Modelle aktiv für neue Dienstleistungsangebote und Partnerschaften mit lokalen Kundinnen und Kunden.

Lösung für den PV-Boom oder regulatorische Baustelle?

Dass neue Gemeinschaftsmodelle dringend nötig sind, unterstrich Walter Sachs, Präsident des Verbands Unabhängiger Energieerzeuger (VESE). Da hohe Produktionsspitzen im Sommer die Marktpreise belasten, brauche es funktionierende lokale Absatzkanäle, um neue Solaranlagen weiterhin wirtschaftlich attraktiv zu halten und den Investoren Planungssicherheit zu geben. Gleichzeitig zeigte Nick Bänninger vom Software-Start-up UpGrid AG auf, wie innovative Plattformen entstehen, um den komplexen Abrechnungsdschungel für Gemeinschaften handhabbar zu machen.

Energiegemeinschaften als Trainingsumfeld für Vorbereitung auf Marktöffnung

VAS-Präsident Markus Blättler blickte über die aktuellen Herausforderungen hinaus. Mit Blick auf das angestrebte Stromabkommen mit der EU betrachtet er die heutigen Energiegemeinschaften als ideales Trainingsumfeld, um sich auf eine vollständige Marktöffnung vorzubereiten. Allerdings stellte er für die innerstaatliche Umsetzung des Stromabkommens klare Forderungen, damit dieses von den Verteilnetzbetreibern unterstützt werden kann: auf eine regulierte Grundversorgung soll verzichtet werden und die Netzbetreiber müssen die unternehmerische Freiheit bekommen, sich ausschliesslich auf ihre Kernkompetenz, den zuverlässigen Netzbetrieb, konzentrieren zu können.

Fazit, so der VAS: Lokale Energie braucht verlässliche Rahmenbedingungen In der anschliessenden Diskussionsrunde wurde deutlich: Energiegemeinschaften bieten momentan das Potenzial, um die Bevölkerung an der Energiewende zu beteiligen und den Eigenverbrauch vor Ort zu stärken. Damit die Ziele der Energiestrategie 2050 erreicht werden können, bedarf es des politischen Willens, die regulatorischen Vorgaben zu lockern und für den notwendigen PV-Zubau gute Rahmenbedingungen zu schaffen.