Im Geschäftsjahr 2025 sah sich BRUGG Group mit schwierigen Rahmenbedingungen in Form von schwacher Konjunktur, Handelshemmnissen und geopolitischen Spannungen konfrontiert. Trotzdem konnte sich BRUGG behaupten. Dies erläuterten heute in Birr CEO Stephan Wartmann bzw. Verwaltungsratspräsident Jürg Suhner per Liveschaltung aus Singapur, wo er derzeit geschäftlich weilt.

Der Gruppenumsatz sank letztes Jahr um rund ein Prozent (währungsbereinigt leicht über dem Vorjahresniveau oder rund ein Prozent im Plus) auf 646 Millionen Franken. Nach mehreren Jahren mit teils zweistelligen Wachstumsraten muss BRUGG Group für das Geschäftsjahr 2025 somit einen minimalen Umsatzrückgang hinnehmen. Die Hauptbereiche des weltweit tätigen Unternehmens umfassen Rohrsysteme, Prozessleittechnik für Versorgungsunternehmen, Spezialkabel, Seilbaulösungen, Seile für Transportbahnen, Aufzugs- und Hebemittel sowie Schutzsysteme gegen Naturgefahren.
Schwache Konjunktur, starker Franken, unsichere politische Lage
Die schwache Konjunktur, der starke Franken und insbesondere die unsichere politische Lage bremsten die Investitionen der öffentlichen Hand sowie privatwirtschaftlicher Kunden. Stephan Wartmann, CEO der BRUGG Group, fasst das Geschäftsjahr 2025 wie folgt zusammen: „Es war ein schwieriges Jahr, in dem wir gezeigt haben, dass BRUGG auch unter widrigen Bedingungen innovativ, leistungsfähig und ergebnisstark bleibt.” Die derzeit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen betreffen auch BRUGG Group.

Im Vergleich zu anderen Industrieunternehmen ein stabiles Ergebnis
„Europa ist in Teilen überreguliert, bürokratisch und wenig risikofreudig. Das hemmt Investitionen, gerade in die Infrastruktur. Gleichzeitig sehen wir dynamischere Märkte in Asien und – mit Einschränkungen – auch in den USA. Unsere breite geografische und inhaltliche Diversifikation hilft uns, solche Unterschiede abzufedern“, so Wartmann. Aus seiner Sicht waren konkrete Aspekte entscheidend dafür, dass BRUGG Group im Vergleich zu anderen Industrieunternehmen ein stabiles Ergebnis erzielen konnte.
Drei Dinge seien entscheidend, so Wartmann: "Innovationskraft, Teamleistung und unternehmerische Agilität. Wir haben nicht auf bessere Zeiten gewartet, sondern sind unsere Aufgaben sehr konsequent angegangen – bei internen Strukturen, zukunftsträchtigen Investitionen und neuen Produkten.“
Unterschiedliche Entwicklungen in den Business Units
Die Diversifikation der BRUGG Group zeigt sich auch in den Ergebnissen der einzelnen Business Units. BRUGG Pipes mit Hauptsitz in Kleindöttingen spürte 2025 den Planungsstau bei der Wärmewende, insbesondere in Deutschland. Deshalb hat sich BRUGG Pipes 2025 strategisch neu aufgestellt und gleichzeitig gezielt in Produktionsstandorte in Deutschland und den USA investiert. Für die Jahre 2027 und 2028 wird ein deutlicher Schub erwartet. „Insbesondere auf den Start der lokalen Produktion für flexible Rohrsysteme mit unserem Joint-Venture-Partner Rovanco in Joliet, USA, dürfen wir stolz sein”, hält Wartmann fest. Der Umsatz von BRUGG Pipes stieg 2025 um 10 Millionen Franken von 209 Millionen Franken auf 219 Millionen Franken.
BRUGG Lifting spürte schwache Entwicklung im Aufzugsmarkt
Die in Birr ansässige BRUGG Lifting (wo die BRUGG Group ihr Jahresergebnius vorstellte), der weltweit führende Hersteller von Aufzugseilen, Architekturseilen, Drahtseilen sowie Zurr- und Hebemitteln, spürte 2025 die anhaltend schwache Entwicklung im globalen Aufzugsmarkt, insbesondere in China und Korea.









Impressionen aus den Produktionsanlagen von Brugg Lifting in Birr. Fotos: Michael Küng
Während das Unternehmen den Nachfragerückgang 2024 noch durch Marktanteilsgewinne kompensieren konnte, war dies im Berichtsjahr nur teilweise möglich. Die im April 2025 eingeführten US-Zölle führten zusätzlich zu Unsicherheiten in den USA und auf den globalen Märkten. In Kombination mit der sinkenden Nachfrage und dem starken Schweizer Franken belasteten sie sowohl den Umsatz als auch das Ergebnis. Der Umsatz sank auf rund 87 Millionen Franken.
Ursprüngliches Hauptgeschäftsfeld von BRUGG eConnect, E-Mobilität, war stark rückläufig
Die BRUGG eConnect, das dritte und kleinste im Aargau beheimatete Unternehmen der BRUGG Group, blickt auf ein schwieriges Jahr zurück. Das ursprüngliche Hauptgeschäftsfeld, die E-Mobilität, war stark rückläufig, da sich der Markt entgegen den Erwartungen abgekühlt hat. Zwar setzt die Automobilindustrie nach wie vor auf Elektrifizierung, doch Studien verdeutlichen, dass das Laden zu Hause mit niedrigen Leistungen (11 oder 22 kW Wechselstrom/AC) am häufigsten erfolgt. Bei solchen Ladesystemen handelt es sich mehrheitlich um Standardlösungen, die einem starken Preisdruck ausgesetzt sind.
Die Kernkompetenz von BRUGG eConnect im Geschäftsfeld E-Mobility liegt bei gekühlten DC(Gleichstrom)-Schnelladesystemen, mit denen sich Fahrzeuge in kürzester Zeit laden lassen, die im gegebenen Marktumfeld weniger nachgefragt werden als Standardlösungen. Im Geschäftsfeld Industrie entwickelt und produziert BRUGG eConnect Kabel- und Steckerlösungen mit kombinierten Anforderungen und Eigenschaften, die an die jeweiligen Kunden und Umgebungen angepasst sind. Hierzu gehören Kabel- und Steckerkonfektionen, elektromechanische Baugruppen und Module, Wind-Anwendungen sowie der Handel mit Spezialkabeln.

Der Bereich Industrie ist das Rückgrat von BRUGG eConnect. Im Zuge der Ausrichtung auf die neuen Bedingungen wurde die Kabelproduktion am Standort Windisch im Juni 2025 geschlossen. Die in Windisch produzierten Kabel werden neu zugekauft. BRUGG eConnect verfügt jedoch weiterhin über eine moderne Produktion in Polen zur Kabelkonfektion und Komponentenbau. Der Hauptsitz befindet sich weiterhin in Windisch.
Für die Romanshorner Geobrugg war das Geschäftsjahr 2025 geprägt von technologischen Meilensteinen und einem anspruchsvollen Marktumfeld. Das Unternehmen produziert hochfeste Stahldrahtnetze und bietet passende Dienstleistungen zur Überwachung und zum Schutz vor Naturgefahren wie Steinschlag, Erdrutsch, Murgang, Lawinen oder Küstenerosion an. Sie gewährleisten Sicherheit im Berg- und Tunnelbau, auf Motorsportstrecken, in der Industrie und in Testanlagen.
Highlight: 25-Tonnen-Betonblock von Steinschlagbarriere aufgefangen
Stephan Wartmann ist besonders stolz auf ein Highlight: „Im April 2025 testeten wir unsere Steinschlagbarriere mit einem 25 Tonnen schweren Betonblock, der mit 115 km/h 52 Meter in die Tiefe raste. Die Aufprallenergie betrug über 12’500 kJ! Die Barriere hielt stand. Das ist bisher noch niemandem gelungen und zeigt: Wir setzen immer wieder neue Massstäbe im Schutz gegen Naturgefahren.”
Im Motorsport markierte die FIA-Homologation des neuen, sechs Meter hohen Debris Fence einen wichtigen Schritt. Projekte wie der Lara Racing Circuit in Bulgarien und der Balaton Park Circuit in Ungarn stärken Geobruggs Marktposition. In Indonesien ist eine neue lokale Fertigung im Aufbau, während der Umzug in grössere Gebäude in Japan und China den nötigen Raum für die Zukunft schafft. Das Marktumfeld bleibe herausfordernd, hiess es in Birr, dennoch zeigten einzelne Signale und gewonnene Projekte eine solide Ausgangslage für das Jahr 2026.
Fatzer behauptet weiterhin eine weltweit führende Marktstellung
Mit Hochlastseilen erster Qualität behauptet Fatzer, die zweite Tochterfirma der Brugg Group in der Ostschweiz, weiterhin eine weltweit führende Marktstellung als Partner und Lösungsanbieter für Seilbahnen und Seilbauwerke. Das Geschäftsjahr 2025 war geprägt von erheblichen Veränderungen in der globalen Politik, die sich auf den Welthandel auswirkten. Trotz dieser Herausforderungen konnte Fatzer eine hohe Nachfrage nach ihren Produkten und Dienstleistungen verzeichnen.
Hochwertige Seile für erste städtische Bahnen in Paris und Ajaccio
Ein besonderer Fokus lag auf dem Ausbau der Kapazität: Durch den gezielten Aufbau von Personal und die Einführung zusätzlicher Schichten sei nicht nur die Produktionskapazität erhöht worden, sondern auch ein aktiver Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Schweiz geleistet. Im Jahr 2025 realisierte Fatzer wichtige Projekte, welche die anhaltend hohe Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Seilen bestätigen. Erfolgreich werden diese für die ersten städtischen Bahnen in Paris und Ajaccio in Korsika eingesetzt. Auch im Miami Freedom Park, der ein Leuchtturmprojekt für den Fussball und die innovative Infrastruktur darstellt, sorgen die Fatzer-Seile für Sicherheit und Zuverlässigkeit auf höchstem Niveau.

Die in Baar ansässige Rittmeyer AG, Anbieter von Prozessleittechnik für die Wasser-, Abwasser- und Energiewirtschaft, verzeichnete im Geschäftsjahr 2025 einen ansprechenden Auftragseingang und Umsatz. Volumenmässig bleibt das Projektgeschäft in der Automatisierung in Europa weiterhin dominant. Das internationale Messtechnikgeschäft hat sich in den grossen Weltregionen unterschiedlich entwickelt: weiteres Wachstum in Nord- und Südamerika, Stabilität in Europa, jedoch nicht erfüllte Zielsetzungen in China, Indien und Südostasien.
BRUGG Real Estate konnte Umsatz steigern
Die in Brugg-Windisch ansässige BRUGG Real Estate, über welche die Gruppe ihre Schweizer Standortimmobilien entwickelt, konnte ihren Umsatz von 9,3 auf 9,6 Millionen Franken steigern. Die Projektpipeline zeigt zudem grosse Fortschritte: Für die Wohnüberbauung Rütene in Windisch erfolgte der Baustart im Juni 2025. Einen ersten Höhepunkt bildete die Grundsteinlegung im August 2025. Der Erstbezug der 24 hochwertigen Mietwohnungen startet am 1. April 2027.
In Windisch entstehen 34 Mietwohnungen im mittleren Preissegment
Der Gestaltungsplan für die Wohnüberbauung Bachmatt in Windisch sei im September 2025 in Rechtskraf getreten, hiess es an der Medienkonferenz weiter. Ab Mitte 2027 entstehen dort 34 Mietwohnungen im mittleren Preissegment. Das Projekt stehe ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit, die Gebäude werden mit einer Holz-Hybrid-Konstruktion errichtet und die versiegelte Oberfläche sei minimiert.
Investitionen und strategischer Fokus
Strategisch fokussiert sich die BRUGG Group auf Produkte und Lösungen für die Energiewende, Nachhaltigkeit sowie Infrastruktursicherheit. Hierzu erfolgten im vergangenen Jahr Investitionen in Höhe von 43 Millionen Franken (Vorjahr: 56 Millionen Franken). Sämtliche Investitionen wurden durch eigene Mittel finanziert. Stephan Wartmann blickt auf das aktuelle Geschäftsjahr 2026 und stellt fest: „Das Umfeld bleibt anspruchsvoll. Aber wir sind gut aufgestellt, strukturell, finanziell und kulturell. Darauf lässt sich aufbauen.”

Über die BRUGG GROUP AG
Aus der einstigen Kabelfabrik in Brugg ist mit der BRUGG GROUP AG ein typisch schweizerischer Nischenplayer geworden. Hauptbereiche sind Fernwärmetechnologie, Prozessleittechnik für Versorgung (Wasser, Abwasser, Gas, Strom), E- Mobilität, Windkraft, Leichtbau und Seilarchitektur, Aufzugs- und Hebemittel, Seile für Transportbahnen, Seilbau sowie Schutzsysteme gegen Naturgefahren. Die BRUGG Group AG ist mit 20 Produktionsstätten und 20 Verkaufsorganisationen in den wichtigsten Industrieländern der Welt vertreten. Der Verwaltungsrat wird von Jürg Suhner präsidiert, CEO ist Dr. Stephan Wartmann.