Schock auch im Aargau ob Trumps Wahnsinnzöllen - AIHK verlangt Nachverhandlungen

Schock auch im Aargau ob Trumps Wahnsinnzöllen - AIHK verlangt Nachverhandlungen
Die MEM (im Bild ein ABB-Gebäude in Baden) ist besonders betroffen. ABB selbst hat in den USA allerdings eigene Niederlassungen. Besonders im Visier hat Trump die Pharmabranche. Foto: MKU

Die Handelsvereinbarung mit den USA ist bis zum heutigen 1. August nicht zustande gekommen. Schweizer Exporte werden ab 7.8. mit voraussichtlich 39 Prozent Zoll belegt. Für die exportorientierte Aargauer Wirtschaft ist dies eine Hiobsbotschaft. Die schreibt die Aargauische Industrie- und Handelskammer (AIHK). Die Unternehmen hätten nicht nur mit dem sehr hohen Zollsatz, sondern auch mit ungleich langen Spiessen zu kämpfen, zumal die Europäische Union mit einem Zollsatz von «nur» 15 Prozent belegt wurde, so dei AIHK weiter.

Dollarschwäche belastet zusätzlich massiv

Schon zuvor hatte die Abschwächung des Dollars Schweizer Waren erheblich verteuert. "Nachverhandlungen sind alternativlos", schreibt die AIHK ultimativ. Die wichtigste Handelspartnerin des Aargaus sei zwar die EU, betrachtet man jedoch die einzelnen Länder, stehen die USA noch vor Deutschland. Nicht nur deshalb treffen die Entscheidungen der US-Administration die Aargauer Unternehmen besonders stark.

Damoklesschwert über der Pharmabranche

Die Pharmabranche, welche über die Hälfte der Aargauer Exporte ausmacht, ist aktuell noch von den US-Zöllen ausgenommen. Die US-Administration hat diese jedoch im Visier und drohe mit dem Zollschwert, um tiefe Medikamentenpreise zu erzwingen. Bedrohlich präsentiere sich die Situation zum Nationalfeiertag für die im Aargau ebenfalls stark verankerte Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM).

AIHK Direktor Beat Bechtold sagt laut Mitteilung: «Alleine das ständige Hü und Hott des US-Präsidenten schafft grosse Unsicherheit und bremst die Wirtschaft. Gerade bei langfristigen Investitionen wie Maschinen ist die Zurückhaltung schon länger gross. Zölle in Höhe von 39 Prozent haben das Potenzial, grossen Schaden anzurichten. Zölle in diesem Umfang können unmöglich vollständig auf die Kunden übertragen werden – Qualität oder Marktmacht hin oder her.»

Bundesrat ist jetzt gefordert

Nun sei der Bundesrat gefordert, so die AIHK weiter. In weiteren Verhandlungen sollen Zollsenkungen angestrebt werden. Die Entscheidung, ob die Zölle überhaupt rechtens sind, steht zudem noch aus. Unabhängig davon müsse ein Freihandelsabkommen das Ziel sein. «Wir sind auch auf Stufe Kanton gefordert. Wir müssen zusammenstehen und die Unternehmen unterstützen. Dazu gehören tiefere bürokratische Hürden, Deregulierung und Investitionen in eine leistungsfähige Infrastruktur. Sozialpolitische Versprechen auf Kosten der Unternehmen müssen nun hintenanstehen», fordert Beat Bechtold.