Riesenstress für Fische: kleinere und mittlere Gewässer nicht mehr betreten oder gar darin baden
Die anhaltend hohen Temperaturen und das Ausbleiben von Niederschlägen setzen den Aargauer Bächen und Flüssen weiterhin stark zu. Niedrige Wasserstände und hohe Wassertemperaturen bedeuten grossen bis tödlichen Stress für Fische und andere Wasserlebewesen. Deshalb wenden sich das Departement Bau, Verkehr und Umwelt und der Aargauische Fischereiverband mit dem gemeinsamen Appell an die Bevölkerung, abgesperrte und ausgeschilderte Bereiche zu meiden und das Betreten und Baden in kleineren und mittleren Gewässern zu unterlassen.
Die hochsommerlichen Temperaturen der letzten Wochen erfreuen zwar viele Badegäste, führen in unseren Fliessgewässern jedoch zu einer kritischen Situation. Wenn die Wassertemperaturen steigen, sinkt gleichzeitig der Sauerstoffgehalt im Wasser. Für Fische und viele Kleinstlebewesen wird der Lebensraum dadurch extrem knapp. Jede zusätzliche Störung in dieser Situation kann tödliche Folgen für die Tiere haben. Besonders kritische Gewässerabschnitte, in denen sich Fische in tiefere, kühlere Löcher zurückziehen, benötigen absoluten Schutz.
Die wertvollsten und am stärksten gefährdeten Bereiche wurden von den kantonalen Behörden und lokalen Fischern gezielt abgesperrt und mit Hinweisschildern versehen. Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) und der Aargauische Fischereiverband (AFV) wenden sich nun mit einem Appell an die Bevölkerung: Alle Passanten, Badegäste und Hundehalter werden eindringlich gebeten, diese Beschilderungen strikt zu beachten und die markierten Zonen nicht zu betreten. Schon eine kleine Störung in diesen Bereichen kann für dort zusammengedrängte Fische tödlich enden.
Jede Störung erhöht den Stress für Fische
Wenn Menschen oder Haustiere in ausgetrockneten oder flachen Bachbetten baden, waten oder spielen, hat dies direkte negative Auswirkungen auf die Tierwelt:
- Fluchtreflexe kosten Energie: Aufgeschreckte Fische flüchten. Diese Bewegung verbraucht wertvollen Sauerstoff, der ohnehin Mangelware ist.
- Zerstörung von Rückzugsorten: Das Aufwirbeln von Kies und Sediment verschlammt die Atmungsorgane der Fische und kann auch den Lebensraum von Kleinlebewesen am Gewässergrund zerstören.
- Gefahr durch Hunde: Auch das Abkühlen von Hunden in kleinen Bächen stört die ohnehin geschwächten Fischbestände massiv.
Freiwilliger Verzicht auf die Ausübung der Fischerei
Die prekäre Lage der Gewässer ist allen Fischerinnen und Fischern im Aargau bewusst. Um die stark gestressten Fischbestände zu schonen, verzichten sie in den betroffenen Gewässerabschnitten seit Wochen freiwillig auf die Ausübung der Fischerei, kennzeichnen entsprechende Gewässerabschnitte, sensibilisieren die Bevölkerung vor Ort und unterstützen Notabfischungen.
Verhaltensregeln zum Schutz der Wasserlebewesen
Fischereiverband und Kanton bitten die Bevölkerung um einen rücksichtsvollen Umgang mit der Natur und bitten, die folgenden Verhaltensregeln einzuhalten:
- Beschilderung und Absperrungen an den Gewässern beachten: Halten Sie sich von den markierten Gewässerbereichen fern.
- Bäche meiden: Verzichten Sie komplett auf das Betreten, Waten oder Baden in kleinen und mittleren Fliessgewässern (wie z. B. Suhre, Wigger, Wyna, Surb, Aabach, Sissle oder Bünz).
- Grosse Gewässer bevorzugen: Verlegen Sie Badeaktivitäten mit Familie und Haustieren auf Flüsse (wie Aare, Reuss, Limmat oder Rhein) oder Seen, wo die Fische mehr Ausweichmöglichkeiten haben. Vermeiden Sie jedoch die Mündungsbereiche von kühleren Zuflüssen – diese Bereiche sind für die Wassertiere besonders wertvoll.
- Kein Wasser unbefugt entnehmen: Bitte beachten Sie die geltenden kantonalen Einschränkungen zur Wasserentnahme. Verzichten Sie darauf, eigenmächtig Wasser aus Bächen zu pumpen.
Die Situation wird von den kantonalen Fachstellen weiterhin kontinuierlich überwacht und wo zwingend nötig und möglich, werden Fische umgesiedelt. Der Kanton Aargau und der AFV bedanken sich dafür, dass die erholungssuchende Bevölkerung auf unsere Wasserlebewesen Rücksicht nimmt.