Regierungsrat verabschiedet Gymi-Reform - Sport wird neu Promotionsfach

Auf der Basis der im August 2024 in Kraft gesetzten Grundlagen der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) und des Bunds wird der gymnasiale Lehrgang im Aargau erneuert und zukunftsfähig gemacht. Dies meldet die Staatskanzlei Aargau. Der Regierungsrat hat die ab Schuljahr 2027/28 neu geltenden Promotions- und Maturitätsbestimmungen und die gymnasialen Lehrpläne beschlossen und damit die kantonale Umsetzung von Gymnasium 27+ weiter konkretisiert.

Gesamtzahl der Lektionen bleibt unverändert

Ein zentrales Merkmal des Aargauer Gymnasiums bleibt laut Mitteilung auch in Zukunft bestehen: die Zweiteilung in eine zweijährige Grundstufe mit Fokus auf den Grundlagenfächern und dem Akzentfach sowie eine zweijährige Vertiefungsstufe mit stärkerem Fokus auf Schwerpunktfach, Ergänzungsfach und Maturitätsarbeit. Die Stundentafel des Gymnasiums wurde im Rahmen von Gymnasium 27+ überarbeitet; die Gesamtzahl der Lektionen bleibt dabei unverändert.

Einheitlicher Lehrplan im ganzen Kanton

Neu gibt es einen kantonal einheitlichen Lehrplan. Dieser gilt an allen Aargauer Kantonsschulen und auch für alle drei Lehrgänge: das Gymnasium, den zweisprachigen Lehrgang mit International Baccalaureate (IB) Programme sowie den Lehrgang für Leistungssportlerinnen und -sportler. Die zu erreichenden Kompetenzen sind für jedes Schuljahr festgelegt. Neu ist der Beitrag jedes Fachs zu den transversalen Unterrichtsbereichen Wissenschaftspropädeutik, Digitalität, Interdisziplinarität, Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Politische Bildung ausgewiesen. An der Entwicklung der neuen Lehrpläne waren laut Mitteilung über 150 Lehrpersonen aus allen Fachgruppen und sämtlichen Aargauer Kantonsschulen beteiligt.

Aktualisierte Fächerangebote

Die Grundlagenfächer wurden um die bisher bereits obligatorischen Fächer Informatik sowie Wirtschaft und Recht erweitert. Damit trage das Aargauer Gymnasium neuen nationalen Vorgaben und aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung, heisst es weiter. Die Akzentfächer bleiben als Aargauer Besonderheit erhalten. Sie werden künftig im Rahmen dreier kantonal vorgegebener Oberthemen durch die Schulen ausgestaltet und sind interdisziplinär ausgerichtet. Dadurch entstehe Raum für unterschiedliche Profile und für die Aufnahme aktueller Fragestellungen.

Im Schwerpunktfachbereich werden im Aargau weiterhin zehn Schwerpunktfächer angeboten. Neu zur Auswahl stehen unter anderem "Informatik und ihre Anwendungen", "Geschichte und Geografie" sowie "Literatur, Sprache und Kultur". Auch bei den Ergänzungsfächern bestehen kantonale Rahmenvorgaben sowie fünf Oberthemen, innerhalb derer die Schulen ihre Angebote ausgestalten können. Dies schaffe zusätzlichen Spielraum für vielfältige und zeitgemässe Angebote.

Sport wird neu promotionswirksam

Promotionswirksam, das heisst entscheidend für den Übertritt in die nächsthöhere Klasse, sind in der ersten, zweiten und dritten Klasse des Gymnasiums die obligatorischen Fächer gemäss Stundentafel. Es sind dies die Grundlagenfächer, das Akzentfach respektive das Schwerpunktfach. Neu gehört auch das Fach Sport dazu. Das Fach trägt zur Erreichung der Bildungsziele des Gymnasiums, zur allgemeinen Studierfähigkeit sowie zur vertieften Gesellschaftsreife bei. Damit einher geht der Anspruch an einen modernen Sportunterricht mit einer vielschichtigen Kompetenzförderung, bei der motorische und kognitive Fähigkeiten, soziale Interaktion und ein reflektiertes Körperbewusstsein miteinander verbunden werden.

Maturitätsfächer

Als Maturitätsfächer zum Abschluss des Gymnasiums gelten gemäss eidgenössischen Vorgaben die zwölf Grundlagenfächer, das Schwerpunktfach, das Ergänzungsfach und die Maturitätsarbeit. Geprüft werden am Ende der vierten Klasse die Grundlagenfächer Deutsch, Französisch oder Italienisch, Mathematik sowie das selbst gewählte Schwerpunktfach. Um die heute eher sprachlastigen Abschlussprüfungen zu diversifizieren, wird neu nach Wahl der Schülerin bzw. des Schülers das Grundlagenfach Physik oder das Grundlagenfach Geschichte geprüft. Die Schülerinnen und Schüler können hiermit und mit der Wahl des Schwerpunktfachs, der Maturitätsprüfung weiterhin ihre jeweils eigene Prägung geben.

Die Prüfungsfächer werden schriftlich und mündlich beziehungsweise praktisch geprüft. Austausch, Mobilität und Beitrag zu Gemeinwohl Gemäss den national geltenden neuen Vorgaben sind in allen Kantonen die Voraussetzungen zu schaffen, dass jede Schülerin und jeder Schüler an Austausch- und Mobilitätsaktivitäten in einer anderen Sprachregion der Schweiz oder des Auslands teilnehmen kann. Ebenfalls müssen Voraussetzungen geschaffen werden, die es erlauben, dass sich die Schülerinnen und Schüler für das Gemeinwohl einsetzen. In Zukunft müssen die Schulen deshalb über ein entsprechendes Konzept verfügen.

Umsetzung im Aargau ab Schuljahr 2027/28

Ab Schuljahr 2027/28 werden alle neu eintretenden Schülerinnen und Schüler am Gymnasium nach den neuen Vorgaben unterrichtet. Die ersten entsprechenden Maturitätsabschlüsse werden am Ende des Schuljahrs 2030/31 abgelegt. Gymnasium 27+ Die schweizweiten Grundlagen für das Gymnasium – das Reglement der EDK über die Anerkennung von gymnasialen Maturitätsausweisen (MAR) und die gleichlautende Verordnung des Bundes (MAV) wurden komplett revidiert und traten am 1. August 2024 in Kraft - gleichzeitig mit dem neuen Rahmenlehrplan der EDK. Im Aargau wird der gymnasiale Lehrgang auf Basis der neuen Grundlagen der EDK im Rahmen des Projekts "Gymnasium 27+" überarbeitet. Das mehrjährige Projekt unter der Leitung von Martina Kuhn-Burkard, Rektorin Neue Kantonsschule Aarau, und Matthias Angst, Rektor Kantonsschule Wohlen, verfolgt laut Mitteilung das Ziel, "die bewährten Elemente des Gymnasiums im Aargau zu übernehmen, es aber mit Blick auf die gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklungen zu aktualisieren und zukunftsfähig auszurichten".