Pro Natura Aargau zu Richtplanrevision: sie sichert Natur, Wasser – und die Lebensgrundlagen künftiger Generationen

Pro Natura Aargau zu Richtplanrevision: sie sichert Natur, Wasser – und die Lebensgrundlagen künftiger Generationen
Pro Natura-Geschäftsführer Matthias Betsche. Foto: Michael Küng

Pro Natura Aargau hat ihre Stellungnahme zur laufenden Revision des kantonalen Richtplans (GÜP 2) eingereicht. Die Naturschutzorganisation begrüsst, dass der Kanton zentrale Vorgaben des Bundes zu Landschaft, Gewässern und Siedlungsentwick lung aktualisiert – und fordert Nachschärfungen zugunsten von Trinkwasser, Hochwasserschutz, Biodiversität und Boden. Dies teilt Pro Natura mit.

«Der Richtplan ist das zentrale Instrument, um die Lebensgrundlagen auch für kommende Generationen zu sichern. Sauberes Trinkwasser, fruchtbare Böden, Schutz vor Hochwasser und vernetzte Lebensräume sind die Voraussetzung dafür, dass Menschen im Aargau gesund, frei und sicher leben können – heute und in Zukunft», sagt Matthias Betsche, Geschäftsführer Pro Natura Aargau und Grossrat: «Ein verlässlicher Richtplan schafft die Si cherheit, die wir dafür benötigen.»

Der Richtplan legt fest, wie sich der Kanton räumlich entwickelt – wie wir wohnen, uns bewe gen, wirtschaften und unsere Landschaft nutzen, heute und in Zukunft. Trinkwasser sichern und Naturschutzgebiete stärken Pro Natura Aargau verlangt, dass der Schutz des Grundwassers konsequent verstärkt wird und Eingriffe in Grundwassergebiete nur in klar begründeten Ausnahmefällen möglich sind. Zudem fordert die Organisation ein verbindliches Hochwasserschutz- und Revitalisierungs konzept für das Reusstal sowie eine stärkere ökologische Sicherung des Hallwilersees.

Besorgt ist Pro Natura Aargau über Bestrebungen, kantonale Naturschutzgebiete zu verkleinern oder abzuschwächen. Diese Gebiete bilden das ökologische Rückgrat des Kantons und bieten spezialisierten Arten oft die letzten geeigneten Lebensräume. Gleichzeitig filtern sie Wasser, kühlen die Landschaft, stabilisieren Böden und bieten Raum für Erholung. «Von starken Schutzgebieten profitieren Bevölkerung, Landwirtschaft und Standortqualität gleich ermassen», so Betsche.

"Deutliches Defizit an Kern- und Vernetzungsgebieten"

In zahlreichen Fällen sollen bestehende Naturschutzgebiete trotz ausgewiesenem ökologischem Potenzial oder Nähe zu nationalen Schutzobjekten verkleinert werden, schreibt Pro Natura weiter. Dies stehe im Widerspruch zu den eigenen kantonalen Fachgrundlagen, die ein deutliches Defizit an Kern- und Vernetzungsgebieten ausweisen. Rückzonungen aufgrund eines heute mangelhaften Zustands seien fachlich nicht haltbar – sie zeigetn vielmehr, wo Schutz und Pflege verstärkt werden müssten.

"Nötig rund 3 % zu sätzliche Kerngebiete und 3 % zusätzliche Vernetzungsgebiete"

Der Kanton Aargau weise gemäss eigener Fachanalyse ein deutliches Defizit an wertvollen Naturflächen auf. Für eine funktionierende ökologische Infrastruktur brauche es rund 3 % zu sätzliche Kerngebiete und 3 % zusätzliche Vernetzungsgebiete, damit Wasser, Böden, Bio diversität und der Schutz vor Klimafolgen langfristig gesichert seien. Rückschritte bei bestehenden Schutzgebieten widersprächen dem ausgewiesenen Handlungsbedarf des Kantons. Der Kanton ist gefordert, die ökologische Infrastruktur konsequent zu sichern und weiter zu entwickeln, schreibt Pro Natura weiter.

Mehr Planungssicherheit für Gemeinden und Landwirtschaft

Pro Natura Aargau betont, dass klare Leitplanken Konflikte vermeiden und langfristig Kosten sparen. Wer heute Schutzräume streicht, riskiere morgen Schäden durch Hochwasser, sinkende Wasserqualität und neue Nutzungskonflikte. Pro Natura Aargau ruft dazu auf, den Richtplan als gemeinsames Zukunftsinstrument zu verstehen – zum Schutz von Mensch, Natur und wirtschaftlichen Grundlagen im Kanton Aargau.