Potenzial für Tiefengeothermie ist im Aargau gross
Fachveranstaltung des VGKA mit der Abteilung Energie des Kantons Aargau zeigt Chancen der Tiefengeothermie und Voraussetzungen für Investitionen auf.
Die Geothermie könnte künftig einen wichtigen Beitrag zur sicheren, bezahlbaren und klimafreundlichen Strom- und Wärmeversorgung im Kanton Aargau leisten. Die technologischen Fortschritte und die Erfahrungen aus ersten Projekten stimmen zuversichtlich. Gleichzeitig brauche es geeignete Rahmenbedingungen, Investoren und eine bessere Kenntnis des Untergrunds.
Dies zeigte ein gemeinsamer Informationsanlass des Vereins Geothermische Kraftwerke Aargau (VGKA) und der Abteilung Energie des Department Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau Ende Oktober bei Eniwa in Buchs, wie der VGKA schreibt. Rund 60 Personen aus Politik, Energiewirtschaft und der interessierten Bevölkerung hatten sich für den Anlass angemeldet. Das Interesse an Geothermie sei gross, heisst es in der Mitteilung des VGKA weiter.
Der Aargau verfügt über günstige geologische Voraussetzungen sowie über einen guten Wärmefluss für die Nutzung von Geothermie. Mit dem neuen Geothermie-Kataster hat der Kanton eine wichtige Planungsgrundlage geschaffen, die das geothermische Potenzial mit bestehenden Infrastrukturen und dem Wärmebedarf verknüpft.
Wie Sebastian Deininger, Sektionsleiter Energiewirtschaft beim Kanton Aargau, erläuterte, soll der Kataster künftig um eine weitere Zielschicht erweitert werden, um für sogenannte Enhanced Geothermal Systems (EGS) nutzbar zu sein. EGS ermöglichen es, Erdwärme auch aus tiefen Gesteinsschichten zu nutzen, die von Natur aus nur wenig durchlässig sind. Damit eröffnen sich zusätzliche Perspektiven für die Stromproduktion.
Im Vordergrund stehen für den Kanton Aargau die Verbesserung der geologischen Datengrundlagen, die frühzeitige Reduktion von Projektrisiken sowie die Optimierung von Planungs- und Bewilligungsverfahren. Gleichzeitig verfolgt er einen technologieoffenen Ansatz: «Im Sinne der kantonalen Strategie energieAARGAU nimmt der Aargau als traditioneller und führender Energiekanton eine aktive Rolle ein, stärkt die Innovationskraft und tritt für technologieoffene Rahmenbedingungen ein, um einen Beitrag an die Versorgungssicherheit zu leisten», erklärt Deininger.
AEW setzt auf das Potenzial der Tiefengeothermie
Dass die Geothermie zunehmend auch für Energieversorger interessant wird, zeigte David Gautschi, Leiter Produktion und stellvertretender CEO der AEW Energie AG. Das Unternehmen hat sich am Tiefengeothermieprojekt Haute-Sorne im Kanton Jura beteiligt und verfolgt das Ziel, Knowhow aufzubauen, um die Technologie künftig auch im Aargau zur Stromerzeugung zu nutzen.
Gautschi verwies auf den steigenden Strombedarf durch die Elektrifizierung von Verkehr und Wärmeversorgung sowie den Ausbau von Rechenzentren. Gefragt seien deshalb zusätzliche Energiequellen, die insbesondere im Winter zuverlässig Strom liefern können.
Die technologischen Entwicklungen stimmen zuversichtlich: Schnellere Bohrverfahren und zunehmende Erfahrungen mit kommerziellen Anlagen lassen sinkende Produktionskosten erwarten. Bereits heute liegen die Stromgestehungskosten der Geothermie im weltweiten Vergleich im Mittelfeld der erneuerbaren Energien.
Haute-Sorne liefert vielversprechende Ergebnisse
Konkrete Fortschritte präsentierte Dr. Peter Meier, CEO der Geo-Energie Suisse AG, anhand des Tiefengeothermieprojekts Haute-Sorne. Das Pilotprojekt soll dereinst bis zu fünf Megawatt elektrische Leistung bereitstellen und damit Strom für rund 5'000 bis 10'000 Haushalte erzeugen. Ziel des Projekts ist es, die technische Machbarkeit der Tiefengeothermie für die Erzeugung von erneuerbarer, CO2-freier, lokaler und rund um die Uhr verfügbarer Energie in der Schweiz aufzuzeigen.
Die bereits erfolgte Bohrung sowie die bisherigen Untersuchungen zeigen vielversprechende Ergebnisse: Durch die hydraulische Stimulation konnte die Durchlässigkeit des Gesteins um mehr als das Hundertfache erhöht werden. Gleichzeitig fiel die seismische Reaktion deutlich geringer aus als beim früheren Geothermieprojekt in Basel. In rund 4'000 Metern Tiefe wurden Temperaturen von 135 Grad Celsius gemessen; in 5'000 Metern Tiefe werden rund 168 Grad erwartet.
Die Erkenntnisse aus Haute-Sorne bilden eine wichtige Grundlage für weitere Projekte. Geo-Energie Suisse prüft bereits die Entwicklung grösserer Anlagen mit einer elektrischen Leistung von 10 bis 30 Megawatt, idealerweise kombiniert mit der Versorgung von Fernwärmenetzen. Vergleichbare Projekte im Ausland zeigen, dass Stromgestehungskosten von unter 15 Ct/kWh in Zukunft realistisch sind. Die Wirtschaftlichkeit verbessert sich weiter, wenn die Strom- und Wärmeerzeugung kombiniert werden.
«Die erfreulichen Ergebnisse aus diesem Pilotprojekt können den Durchbruch für die Stromproduktion mit Geothermie bedeuten. Nun ist es wichtig, dass auch der Kanton Aargau die notwendigen Eignungsgebiete in seine Planung aufnimmt», sagt Nationalrat Matthias Jauslin, Präsident des VGKA
Von der Planung zur Umsetzung
In der anschliessenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass der Weg zu konkreten Geothermieprojekten trotz technologischer Fortschritte anspruchsvoll bleibt. Die Finanzierung und die Sicherung langfristiger Strom- und Wärmeabnahmeverträge stellen Herausforderungen dar. Hinzu kommt, dass bislang kein Tiefengeothermieprojekt im Kanton Aargau umgesetzt wurde. Aus verfahrensseitiger Sicht birgt die Neuartigkeit der Projekte daher sowohl Chancen als auch Risiken.
Gleichzeitig zeigte die Diskussion gemäss der Mitteilung, dass der Kanton Aargau mit seinen bisherigen Arbeiten wichtige Voraussetzungen geschaffen hat. Nun gilt es, diese Grundlagen zu nutzen, weitere Investoren zu gewinnen und die Entwicklung konkreter Projekte voranzutreiben.
«Der Aargau hat mit dem Geothermie-Kataster wichtige Vorarbeit geleistet. Die technologischen Fortschritte und das Engagement von Energieversorgern wie AEW zeigen, dass die Geothermie zunehmend an Bedeutung gewinnt», zieht Matthias Jauslin Fazit. «Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass aus diesem Potenzial konkrete Projekte entstehen.»