Matratzen-Recycling wird nach erfolgreichen Aargauer Pilotversuchen schweizweit ausgebaut
Die Matratzen-Allianz baut das Matratzenrecycling schweizweit aus. Im ersten Jahr sollen 900 Tonnen Altmatratzen verarbeitet werden, danach jährlich 50 Prozent mehr. Das teilt sie mit. Ab November 2026 können demnach nicht nur
Sammelstellen und Privatpersonen, sondern auch Geschäftskundschaft Matratzen recyceln lassen. Grundlage ist ein einjähriger Pilot im Kanton Aargau, der die gesamte Prozesskette erfolgreich getestet hat.
Pilot im Aargau übertrifft Erwartungen
Erstmalig in der Schweiz wurde die gesamte Prozesskette, von der Sammlung über den Transport und die Zerlegung bis zur Aufbereitung der einzelnen Materialfraktionen unter realen Bedingungen getestet. An den drei beteiligten Sammelstellen Recycling-Paradies AG in Spreitenbach und Hunzenschwil sowie Transport AG Aargau in Kölliken, fielen laut Mitteilung mehr als doppelt so viele Altmatratzen an als die 80 Tonnen, deren Recycling im Rahmen des Piloten finanziert war.
Hochwertiger Schaumstoff gewinnbar
Polyurethan-Schaumstoff (PUR) macht mit 41 % den grössten Anteil der zurückgewonnenen Materialien aus. Das Kunststoff Ausbildungs- und Technologie-Zentrum (KATZ) bestätigt: Die gewonnene PUR-Fraktion ist
ausreichend sortenrein für die stoffliche Verwertung, auch für chemisches Recycling.
Hohe Zahlungsbereitschaft für Matratzenrecycling
Eine Onlineumfrage zeigt eine hohe Akzeptanz für das Matratzenrecycling: 85 Prozent der 66 Befragten ist das Recycling ein Anliegen. Sie sind bereit, dafür mehr zu bezahlen als für die heutige Entsorgung in der Kehrichtverbrennungsanlage (KVA).
Logistik als Knackpunkt
Sammlung und Transport erwiesen sich als teurer als erwartet. Einerseits sind Annahme, Sortierung, Zwischenlagerung und Verlad an den Sammelstellen aufwändig. Andererseits dürfen Matratzen vor der Zerlegung nicht komprimiert werden, was zu einem grossen Transportvolumen führt.
So geht es weiter
Das Ziel ist ambitioniert, räumt die Matratzen-Allianz selbst ein: Im ersten Jahr sollen 900 Tonnen Altmatratzen verarbeitet werden, danach soll die Menge jährlich um 50 Prozent steigen. Die Zerlegung erfolgt weiterhin mit der SORTEC Aarberg AG in Witzwil (BE). Aufgrund der Kosten an den Sammelstellen wird neu die Direktabgabe in Aarberg (BE) angeboten. Grössere Mengen können per Offertanfrage angemeldet werden. Sammelstellen können weiterhin
Altmatratzen annehmen und ins Recyclingsystem liefern. Die Mehrkosten gegenüber der Verbrennung werden den Abgebern weiterverrechnet. Für die Klärung der organisatorischen Abläufe kann die Matratzen-Allianz kontaktiert werden.
Fokus auf Grossverbraucher
Das höchste Sammelpotenzial liegt bei Unternehmen und Institutionen, bei denen regelmässig grössere Matratzenmengen anfallen, etwa in Hotels, Jugendherbergen, Spitälern und Heimen. Auch für Hersteller und Fachhändler ist das Recycling interessant und lässt sich gut in bestehende Abläufe integrieren: Die Mehrheit nimmt bereits heute alte Matratzen bei der Lieferung neuer zurück. Da der bestehende Rücktransport genutzt werden kann, halten sich Mehrkosten und Mehraufwand im Rahmen. Für die Beherbergungsbranche arbeitet die Matratzen-Allianz mit dem Branchenverband HotellerieSuisse zusammen. Betriebe im «CauseWeCare»-Programm von myclimate können die Mehrkosten teilweise über den entsprechenden Fonds finanzieren.
Warum sich Recycling ökologisch lohnt
Jährlich werden in der Schweiz rund 1 Million Matratzen entsorgt und in der KVA thermisch verwertet. Eine Ökobilanz von 2024 zeigt: Stoffliches Recycling lohnt sich ökologisch. Durch die stoffliche Verwertung der rund 20'000 Tonnen Matratzen pro Jahr liessen sich 48'000 bis 58'000 Tonnen CO₂-Äquivalente einsparen. Das entspricht dem jährlichen CO₂-Ausstoss einer Gemeinde mit 10'000 bis 13'000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Die Stiftung myclimate unterstützt das Matratzenrecycling durch freiwillige Klimaschutzbeiträge.
Über die Matratzen-Allianz
Der 2021 gegründete Verein will gemeinsam mit Akteuren entlang der gesamten Wertschöpfungskette Umweltbelastung und Abfallaufkommen bei Matratzen reduzieren. Nebst dem Recycling fördert der Verein Ecodesign, also die Berücksichtigung von Langlebigkeit und einfacher Wiederverwertbarkeit schon in
der Produktentwicklung. Langfristige soll das Matratzenrecycling über einen verpflichtenden vorgezogenen Recyclingbeitrag (vRB) auf neuen Matratzen finanziert werden, vergleichbar mit Elektrogeräten oder PET-Flaschen . So werde das Verursacherprinzip umgesetzt, heisst es abschliessend.