Markus Dieth zum Staatswein 2026: "Wir feiern die Qualität, das Können, das Herzblut, die Leidenschaft"

Markus Dieth zum Staatswein 2026: "Wir feiern die Qualität, das Können, das Herzblut, die Leidenschaft"
Gotte und Göttis mit den fünf Aargauer Staatsweinen 2026 in Birrwil am Hallwilersee. V.l.n.r: Roland Michel, Präsident Branchenverband Aargauer Wein; Urs Plüss, Grossratspräsident; Markus Dieth, Landwirtschaftsdirektor; Patricia Kettner, Generalsekretärin Departement Finanzen und Ressourcen; Hansruedi Häfliger, Direktor Liebegg. Foto: Basler/Kanton Aargau

Bereits zum 21. Mal sind die Aargauer Staatsweine von einer Jury erkoren worden. Bislang wurden vier, seit einem Jahr werden gar fünf Kategorien beurteilt. Letztes Jahr neu dazugestossen sind die Schaumweine. Die werden jetzt zum festen Bestandteil der Staatsweinprämierung.

Die 139 eingereichten Weine (21 Riesling-Sylvaner, 51 Weisse Spezialitäten, 19 Pinot Noir, 33 Rote Spezialitäten, 15 Schaumweine) wurden im Vorfeld der Staatsweinkürung durch eine interkantonale Fachkommission vorselektioniert. Die Staatsweinjury, zusammengesetzt aus Weinexpertinnen und -experten, Branchenvertretenden sowie Politikerinnen und Politikern, kürte aus den gewählten zwanzig Finalisten die Aargauer Staatsweine 2026 in fünf Kategorien.

Bei der Begrüssung zur Siegerehrung und Diplomvergabe in Birr bekannte Landwirtschaftsdirektor Markus Dieth, eigentlich hätten alle Weine den ersten Platz verdient: "Wir sind stolz auf den Aargauer Wein und so freue ich mich sehr, dass wir Ihnen heute den Aargauer Staatswein 2026 präsentieren können." Der Aargauer Wein sei das Ergebnis von Herzblut, von einer tiefen Verbundenheit zu unserer schönen Natur und zum eigenen Handwerk.

Doch aus reiner Hingabe sei noch kein Wein entstanden. Es brauche Wissen, das über Generationen gewachsen ist und das durch Erfahrung und auch Forschung angereichert worden ist. Doch auch aus reinem Wissen sei noch kein Wein entstanden, so Dieth weiter. Es brauche das Können, es brauche das Handwerk. Und nur wer die Handgriffe im Rebberg oder im Keller kennt, auswendig beherrscht, der kann am Ende des Tages einen guten Wein vorweisen.

"Wir feiern die Qualität, das Können, das Herzblut, die Leidenschaft"

Das erfordere Ausdauer und Disziplin und ist bei jedem Wetter: "Das ist letztlich Unternehmertum. Ich sage immer, das ist das Beispiel von Unternehmertum. Sie wissen nicht, was das Jahr bringt. Jedes Mal startet der Zähler bei null. Sie sind allen Naturgewalten und 100 Prozent Risiko ausgesetzt und Sie machen das Beste daraus."

Das Label Aargauer Staatswein helfe sicher zur Direktvermarktung auf dem Hof, im Laden oder online, so Dieth in seiner Laudatio weiter: "Heute Abend feiern wir die Qualität, das Können, das Herzblut, die Leidenschaft und dürfen auch stolz sein. Stolz sein heißt nicht, einbildet sein. Genau das ist die Landwirtschaft eben nicht. Sie weiss, dass sie jedes Jahr wieder von null anfangen muss und jedes Jahr wieder demütig alles machen muss, damit es gut kommt."
Markus Fuchs bricht eine Lanze für den Riesling-Sylvaner

Der renommierte Weinakademiker Markus Fuchs erklärte im Folgenden in seiner bereits 10. Aargauer Staatswein-Laudatio zu den Final- und Siegerweinen, was den jeweiligen Siegerwein in jeder Kategorie hervorhebt. Zum Riesling-Sylvaner sagte er einleitend: «Dieser ist sehr beliebt, und zwar zu Recht. Manche Romands belächeln das zwar etwas. Riesling-Sylvaner hat jedoch eine unheimliche Stärke. Er ist nie aufdringlich, immer zugänglich, frisch, fruchtig, knackig. Wie ein guter Freund, er gehört einfach dazu.»

Sieger in der Kategorie Riesling-Sylvaner: Würenlinger Riesling-Sylvaner 2025, Weinbaugenossenschaft Würenlingen, Würenlingen.

Den Siegerwein in dieser Kategorie beurteilt Markus Fuchs so: Er ist von der Aromatik her der klassischste. Ein Riesling-Sylvaner wie aus dem Bilderbuch. Er ist sauber, präzise, gefällig, ausgewogen. Ein Prototyp von einem Riesling-Sylvaner, ich kann es nicht anders ausdrücken. Er ist nicht mastig, sondern leicht und bekömmlich. Die verwendeten Trauben spiegeln das Terroir im Kleinen sehr gut wieder.

Sieger Kategorie Weisse Spezialitäten: Chalmberger Kerner 2025, Chalmberger Weinbau, Oberflachs

Hier sagt Markus Fuchs zum Siegerwein: Er hat eine angenehme Süsse im Gaumen, sehr typisch für die Sorte Kerner. Das macht ihn besonders beliebt für Nachmittagsdegustationen. Man würde mit Freude dasitzen und gern ein Glas trinken. Dieser Wein ist gut ausbalanciert, kein Kraftbündel, er ist ein sehr trinkiger Wein mit einer schönen Saftigkeit, mit würzigen Komponenten und einer sehr angenehmen, mundfüllenden Süsse. Er kommt gut an, er polarisiert nicht.

Sieger Kategorie Pinot Noir: Büchli Pinot Noir Spätlese 2025, Büchli Weine, Effingen

Dieser Siegerwein zeigt von allen Finalweinen die klarste Frucht, sagt Markus Fuchs.  Das deutet darauf hin, dass er relativ spät und zum idealen Zeitpunkt gelesen worden ist, die Gerbstoffe sind wunderbar eingebunden. Dieser Wein ist fliessend, sehr sorgfältig gekeltert, Fruchtigkeit dominiert.

Sieger Kategorie Rote Spezialitäten: Wettinger Pinot Noir Barrique 2023, Benz-Weine, Wettingen

Hier sagt Markus Fuchs zum Siegerwein: Er ist der vielschichtigste, mit sehr dezenten, vom Barrique stammenden Röstaromen, mit einer sehr hohen Geschmackstiefe. Er ist schon fast burgundisch, mit einem schönen Trinkfluss, einer gut stützenden Säure, ein richtiger Genusswein eben. Das alles trägt bestimmt dazu bei, dass wir ihn so gern haben.

Sieger Kategorie Schaumwein: VICTORIA Blanc de Noir Brut 2023, WeinStern Wettingen AG, Wettingen

Dass wir jetzt zum zweiten Mal auch Schaumwein beurteilen, ist ein Bekenntnis zur Innovationsfähigkeit unseres Weinbaus, sagt Fuchs zu dieser Kategorie und zum Sieger-Schaumnwein. Schaumwein nimmt auch weltweit an Bedeutung zu, der Absatz steigt deutlich. Es fällt auf, dass Schaumweine besondere Namen bekommen wie «Victoria, Eusi Perle, Seerose und weitere». Er ist für besondere Anlässe gedacht, und darf auch besonders sein, sagt Fuchs.

Dass der Schaumwein VICTORIA (in Anlehnung an die römische Siegesgöttin) gewinnt, ist für ihn nicht ganz überraschend. Er steht für Erfolg, für gemeinsame Freude. Er ist extrem ausgeglichen. Er schafft die Balance zwischen Tradition und Moderne sehr gut, hat eine gute Kombination zwischen Hefe und Frucht sowie eine gewisse exotische Fruchtigkeit. Er hat einen weichen angenehmen Trinkfluss. Er rutscht sehr schön und hat einen sehr ausgeprägten Abgang. Kurz: ein würdiger Vertreter der aargauischen Schaumweine.

Auszeichnung stärkt die Bedeutung des Weins als Aargauer Kulturgut

Die Final-Degustation erfolgte unter der fachkundigen Leitung von Yannick Wagner, Fachspezialist Weinbau am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Als Vorsitzender der Jury war Regierungsrat und Landwirtschaftsdirektor Markus Dieth voll des Lobes für die Aargauer Weine: "Diese besondere Veranstaltung hat sich zu einer festen Grösse im Kanton entwickelt. Mit der Kürung der Aargauer Staatsweine würdigt der Kanton das Engagement und die hohe Professionalität der Aargauer Winzerinnen und Winzer. Durch die Auszeichnung wird die Bedeutung des Weins als Aargauer Kulturgut gestärkt."

Grossratspräsident Urs Plüss in Staatsweinjury

Mit Grossratspräsident Urs Plüss hat dieses Jahr ein Informatik-Unternehmer als Juror die Finalweine verkostet. Er wird in der Mitteilung so zitiert: "In der Informatik geht es oft um Algorithmen und Prozesse – beim Wein dagegen um Leidenschaft und Gefühl. In dieser Jury durfte ich erleben, dass beides dasselbe Ziel hat: Qualität, die überzeugt. Die Staatsweinkürung ist eine sehr schöne Tradition und ein tolles Präsentierfenster für den Aargauer Weinbau."

Ehrengast und Wildcard: Hansruedi Häfliger

Jedes Jahr nimmt eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens Einsitz in der Staatsweinjury. Diese Wildcard hat Markus Dieth in diesem Jahr an Hansruedi Häfliger vergeben. Als Direktor des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg hat er die Aargauer Landwirtschaft in den vergangenen zwölf Jahren massgeblich mitgeprägt. Ende Jahr wird er die Leitung der Liebegg in neue Hände übergeben. Hansruedi Häfliger sagte dazu selbst: "Ich freue mich sehr, meine letzte Staatsweinkürung als Ehrengast mitzuerleben. Der Aargauer Wein steht für Qualität, gelebte Tradition, Mut und Experimentierfreude – Werte, die die Aargauer Landwirtschaft insgesamt prägen. Unsere Winzerinnen und Winzer zeigen mit Engagement und hohem fachlichem Können, wie vielfältig und innovationsstark der Aargau ist."

Staatsweine werden an Aargauer Staatsanlässen ausgeschenkt

Die Kürung der Staatsweine und die Verleihung der Auszeichnungen fand dieses Jahr in Birrwil und auf dem Hallwilersee statt. Die Staatsweine werden an Aargauer Staatsanlässen ausgeschenkt und stossen offenkundig über Kantons- und Staatsgrenze hinaus auf ein positives Echo.