Klimakarten für hitzeangepasste Siedlungsentwicklung

Klimakarten für hitzeangepasste Siedlungsentwicklung
Blick auf die Kettenbrücke in Aarau. Foto: MKU

Der Kanton Aargau stellt aktualisierte und höher aufgelöste Klimakarten zur Verfügung. Sie zeigen die heutige und zukünftige klimatische Situation flächendeckend für den gesamten Kanton und bieten damit eine wichtige Planungsgrundlage für Gemeinden, Planende sowie weitere Fachpersonen. Die neuen Grundlagen umfassen eine Klimaanalysekarte sowie Bewertungskarten für die Tag- und Nachsituation. Die Karten stehen online auf dem Aargauischen Geografischen Informationssystem (AGIS) zur Verfügung. Dies schreibt das Departement Bau, Verkehr und Umwelt.

Die Auswirkungen des Klimawandels sind in der Schweiz und im Aargau deutlich spürbar und werden in Zukunft an Häufigkeit und Intensität weiter zunehmen, heisst es in der Mitteilung. Die Beobachtungen an Messstationen in der Schweiz zeigen demnach eine deutlich stärkere Temperaturzunahme als global. Eine Erhöhung der globalen Mitteltemperatur um 3 Grad Celsius bedeutet für die Schweiz eine mittlere Erwärmung von +4,9 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Periode (siehe Klimaszenarien Schweiz CH2025 sowie Netzwerk Anpassung: Neuigkeiten und Publikationen). Die Klimakarten wurden für das Szenario einer Drei-Grad-Welt gerechnet.

Um Gemeinden und Planende bei der hitzeangepassten Siedlungsentwicklung zu unterstützen, hat der Kanton Aargau laut Mitteilung die klimatische Situation flächendeckend modelliert und die bisherigen Planungsgrundlagen aktualisiert. Die Klimakarten zeigen neu auf einem Raster von 5 mal 5 Metern sowohl die heutige als auch die Situation im Jahr 2060.

Besonders dicht bebaute und grossflächig versiegelte Siedlungsgebiete erwärmen sich tagsüber stark und kühlen in der Nacht nur langsam ab. Gleichzeitig gewinnen Grün- und Freiräume (inklusive Landwirtschaftsflächen und Wald) zunehmend an Bedeutung als kühle Entlastungsgebiete (tagsüber) und als Kaltluftentstehungsgebiete (nachts).

Auswertungen zeigen, dass beispielsweise die Flächen mit "sehr ungünstiger" oder "extrem ungünstiger" nächtlicher Überwärmung bis 2060 von 14 Prozent auf 91 Prozent ansteigen. Die Kategorie "extrem ungünstig" existiert 2026 praktisch noch nicht – bis 2060 wird sie mit 85 Prozent zur grössten Kategorie.

Der Anteil der Flächen mit ungünstiger oder sehr ungünstiger Aufenthaltsqualität im Aussenraum (tagsüber) wird von heute 29 Prozent auf 79 Prozent der Fläche zunehmen im Jahr 2060. Diese Zahlen zeigen eindrücklich, wie wichtig die Antizipation dieser Entwicklungen für die Planung von Bauten, Infrastrukturen, Strassenräumen und den Freiflächen ist.

Umfassende Grundlagen für die Planung

Die Klimakarten zeigen unter anderem, wo Hitzeinseleffekte im Siedlungsgebiet entstehen, welche Grün- und Freiräume als sogenannte Ausgleichsräume an heissen Tagen besonders wichtig sind und über welche Leitbahnen Kaltluft in die Siedlungen gelangt.

Auf dem Aargauischen Geografischen Informationssystem (AGIS) stehen folgende Kartentypen zur Verfügung:

  • Die Klimaanalysekarten bilden den nächtlichen Wärmeinseleffekt sowie die Prozesse der Kaltluftentstehung und des Kaltlufttransports ab.
  • Die Bewertungskarten Nacht zeigen die nächtliche Wärmebelastung aus Sicht der Bevölkerung und helfen, Gebiete mit besonderem Handlungsbedarf zu identifizieren.
  • Die Bewertungskarten Tag bewerten die bioklimatische Belastung während des Tages sowie die Aufenthaltsqualität von Grün- und Freiräumen. Grundlage ist die Physiologisch Äquivalente Temperatur (PET), welche neben der Lufttemperatur auch Faktoren wie Sonneneinstrahlung, Wind und Luftfeuchtigkeit berücksichtigt.

Alle Karten stehen jeweils für den Zeithorizont 2026 und 2060 zur Verfügung.

Wertvolle Grundlagen für Gemeinden und die Raumplanung

Die Klimakarten unterstützen Gemeinden und Fachpersonen bei raumplanerischen Entscheidungen. Sie helfen aufzuzeigen, wo Massnahmen zur Reduktion der Hitzebelastung erforderlich sind, welche Freiräume gesichert werden sollten und wie sich die klimaökologische Funktion von Siedlungsräumen langfristig erhalten oder verbessern lässt. Die aktuelle Hitzeperiode verdeutlicht nur zu gut, wie wichtig eine zukunftsbasierte Planung, gerade im Hinblick auf vulnerable Bevölkerungsgruppen (ältere Menschen, Kinder, chronisch kranke Personen, etc.), ist.

Die aktualisierten Grundlagen tragen dazu bei, hitzeangepasste Lösungen frühzeitig in Planungen zu integrieren und Synergien mit weiteren Aufgaben wie der hochwertigen Siedlungsentwicklung nach innen, der Förderung der Freiraumqualität, dem Ortsbildschutz, der Biodiversität oder dem Umgang mit Starkniederschlägen und einem nachhaltigen Regenwassermanagement zu nutzen.

Der Kanton wird die Gemeinden und Planenden für die Anwendung der Klimakarten sensibilisieren und mit weiteren Grundlagen unterstützen.

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