Kanton Aargau unterstützt Pilotprojekt "Rauchstopp in der Psychiatrie"
Der Kanton Aargau unterstützt das dreijährige Pilotprojekt des Schweizer Instituts für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) und der Psychiatrische Dienste Aargau AG (PDAG) mit 200'000 Franken. Mit dem Projekt möchte das ISGF zusammen mit der PDAG ein wirksames Modellprogramm zur Tabak- und Rauchentwöhnung für die Patientinnen und Patienten der PDAG entwickeln. Dies teilt die Staatskanzlei mit.
Personen mit psychischen Erkrankungen rauchen laut der Mitteilung deutlich häufiger als der Durchschnitt der Bevölkerung. Trotzdem existieren in der Schweiz keine evidenzbasierten Massnahmen zur Förderung der Tabakentwöhnung im Sinne einer begleitenden Massnahme einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung. Mit dem Pilotprojekt "PSY-Rauchstopp" will das Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung (ISGF) in Zusammenarbeit mit der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) ein Tabakentwöhnungsprogramm für die ambulanten und stationären Patientinnen und Patienten der PDAG erarbeiten. Ziel ist es, zum Rauchstopp bei den Patientinnen und Patienten beizutragen oder zumindest eine Konsumminimierung oder Substitution zu erreichen.
Der Tabakpräventionsfonds des Bundesamts für Gesundheit und die Projektträgerschaft finanzieren den Grossteil des Pilotprojekts mit insgesamt rund 800'000 Franken. Der Kanton Aargau beteiligt sich mit 200'000 Franken.
Tabakentwöhnung als Teil der psychiatrischen Behandlung
Das Projekt sieht laut Mitteilung eine stufenweise Involvierung der Patientinnen und Patienten in verschiedenen stationären Bereichen und den ambulanten Diensten der PDAG vor. Die Teilnehmenden des Programms erhalten individuell auf ihre Bedürfnisse angepasste Behandlungsmassnahmen zur Tabakentwöhnung, die sowohl ihre psychische Erkrankung als auch ihre Abhängigkeit von Nikotin berücksichtigen. Das ärztliche und pflegerische Fachpersonal nimmt an entsprechenden Weiterbildungen teil.
Langfristiges Ziel des Projekts ist es laut Mitteilung, einen Kulturwandel in der psychiatrischen Behandlung zu erreichen, sodass die Tabakentwöhnung ein selbstverständlicher Teil der psychiatrischen Behandlung wird. Dazu erarbeitet die Projektträgerschaft einen Leitfaden, der die Einführung einer Tabakentwöhnungstherapie und den Aufbau einer rauchreduzierten Kultur in einer psychiatrischen Klinik beschreibt und der anderen Institutionen kostenlos zur Verfügung gestellt werden soll.
Verbesserung der psychischen Gesundheit
Ein Rauchstopp ist in vielerlei Hinsicht mit einem gesundheitlichen Nutzen für die Patientinnen und Patienten verbunden. Durch eine Tabakentwöhnung oder eine markante Reduktion des Tabakkonsums ist eine deutliche Verbesserung und Stabilisierung der psychischen Gesundheit zu erwarten. Je nach Grunderkrankung kann die Tabakentwöhnung zusätzlich zur Senkung der notwendigen Medikationsdosis beitragen. Dies kann zu einer Reduktion der Nebenwirkungen führen, den allgemeinen Gesundheitszustand verbessern und eine einfachere Behandlung der psychiatrischen Symptome ermöglichen.
Hinweis: Pilotprojekte in der Gesundheitsversorgung
Seit dem 1. Januar 2022 kann der Kanton Pilotprojekte im Bereich der Gesundheitsversorgung mit einem finanziellen Beitrag oder mit der Erteilung der Erlaubnis, von kantonalen Normen und Weisungen ausnahmsweise und für eine definierte Dauer abzuweichen, unterstützen. Der Kanton fördert damit die Erprobung, Durchführung und Evaluierung neuer Versorgungsmodelle, wenn diese der Erzielung medizinischer, versorgungstechnischer oder wirtschaftlicher Verbesserung dienen. Bisher hat der Kanton Aargau 19 Pilotprojekte unterstützt.