Grüne zu Hitachi-Campus in Wettingen: grundsätzlich ja, aber nicht um jeden Preis

Die GRÜNEN Aargau begrüssen laut einer Mitteilung grundsätzlich die Ansiedlung von Hitachi Energy im Limmattal. Das Vorhaben schaffe hochwertige Arbeitsplätze im Cleantech-Bereich, stärke den Wirtschaftsstandort Aargau und ergänzt den Technologiecluster Baden sinnvoll.

Bevor die vorliegende Richtplananpassung mit ihren erheblichen raumplanerischen Kosten — Verlust von Fruchtfolgeflächen, Reduktion des Siedlungstrenngürtels, Neueinzonung — beschlossen wird, ist aus Sicht der GRÜNEN eine überkantonale Gesamtbetrachtung der Standortfrage zwingend. Der Standort Otelfingen in der Nachbargemeinde bringe wesentliche Voraussetzungen für eine rasche Ansiedlung mit: eine bestehende Industriezone, keine zusätzliche Einzonung, keine Beeinträchtigung von Siedlungstrenngürteln und einen bestehenden öV-Anschluss.

Aargau soll mit Zürich sprechen

Da beide Kantone — Aargau und Zürich — von der Ansiedlung betroffen sein werden, fordern die GRÜNEN den Regierungsrat auf, mit dem Kanton Zürich Gespräche über eine gemeinsame, überkantonale Lösung zu führen und den Standort Otelfingen in die Evaluation einzubeziehen. Sollte der Standort Tägerhardächer weiterverfolgt werden, weise die vorliegende Richtplananpassung erhebliche Defizite auf, so die Grünen.

Die positiven wirtschaftlichen Auswirkungen würden detailliert dargelegt, während zentrale ökologische und verkehrliche Voraussetzungen weitgehend auf nachgelagerte Verfahren verschoben würden. Damit würde der Grosse Rat die entscheidende Weichenstellung auf Basis von Absichtserklärungen beschliessen, deren Einlösung ungesichert sei. Das ist aus Sicht der GRÜNEN nicht akzeptabel. Konkret fordern sie folgende Verbesserungen:

1. Fruchtfolgeflächen verbindlich kompensieren. Der Erläuterungsbericht zeigt Aufwertungspotenziale von rund 14 ha auf, verweist aber auf laufende Abklärungen und die Bereitschaft von Grundeigentümer:innen. Eine Kompensation wird lediglich «angestrebt». Die GRÜNEN verlangen, dass die FFF-Kompensation – vollständig und qualitativ gleichwertig – vor der Behandlung im Grossen Rat verbindlich gesichert wird, nicht erst im nachgelagerten Verfahren.

2. Verkehrserschliessung auf Stufe Festsetzung hochstufen. Die S-Bahn-Haltestelle Tägerhard und der öV-Hauptkorridor haben im Richtplan bloss den Koordinationsstand «Zwischenergebnis». Ein Entwicklungsschwerpunkt mit über 3’000 Arbeitsplätzen an einem Standort direkt an der Autobahnausfahrt wird ohne leistungsfähigen öV primär Autoverkehr generieren. Die GRÜNEN fordern, dass die S-Bahn-Haltestelle Tägerhard und der öV-Hauptkorridor im selben Richtplanverfahren von Zwischenergebnis auf Festsetzung hochgestuft werden. Darüber hinaus ist die Verlängerung der Limmattalbahn bis Baden als Richtplaneintrag aufzunehmen. Ebenso sind eine attraktive Busanbindung sowie sichere und direkte Fuss- und Veloverbindungen zum Areal sicherzustellen. Die verkehrliche Erschliessung muss vor oder spätestens mit der ersten Etappe stehen – nicht als Hoffnungswert für Phase 2.

3. Integrierte Entwicklung des Gebiets Wettingen Ost. Der Grundsatz «Arbeiten und Wohnen nahe beieinander» muss tatsächlich eingelöst werden. Die GRÜNEN fordern eine integrierte Planung von Arbeitsplätzen, Wohnentwicklung, Freiräumen und Mobilität im Gesamtgebiet Wettingen Ost mit kurzen Wegen und hoher Aufenthaltsqualität. Dazu gehören auch Verpflegungs- und Sportmöglichkeiten sowie Kinderbetreuungsangebote.

4. Präzedenzwirkung für die Landschaftsspange begrenzen. Die Landschaftsspange RüslerSulperg ist der letzte zusammenhängende Grüngürtel im Limmattal. Wenn hier eine Ausnahme gewährt wird, werden an anderen Stellen der Landschaftsspange bei nächster Gelegenheit gleichartige Begehren folgen. Die GRÜNEN verlangen, dass im Richtplan explizit festgehalten wird, dass mit der vorliegenden Anpassung keine Präjudizwirkung für weitere Eingriffe in die Landschaftsspange entsteht, und dass die verbleibenden Flächen des Siedlungstrenngürtels aufgewertet und dauerhaft gesichert werden.

5. Zusammenarbeit der Sachplangemeinden verbindlich regeln. Der regionale Sachplan Landschaftsspange Sulperg-Rüsler betrifft vier Gemeinden. Die Auswirkungen des Vorhabens – verkehrlich, ökologisch, raumplanerisch – gehen weit über Wettingen hinaus. Die GRÜNEN verlangen eine verbindliche Zusammenarbeit der angrenzenden Gemeinden, damit Nutzen und Lasten des Vorhabens regional ausgeglichen werden.

6. Hohe Klima- und Energieanforderungen an das Vorhaben stellen. Ein Projekt dieser Grössenordnung muss im Aargau Vorbildcharakter haben. Die GRÜNEN verlangen fossilfreie Energieversorgung, maximale Ausschöpfung der erneuerbaren Energieproduktion am Standort, hohe Energieeffizienz und Kreislaufwirtschaft.

7. Naherholung und Biodiversität auf dem Areal sicherstellen. Der ökologische Ausgleich ist vollumfänglich im Areal selbst umzusetzen. Das Gelände ist so zu gestalten, dass es – wie an anderen Industriestandorten erfolgreich praktiziert – auch öffentliche Naherholungsfunktionen erfüllt und einen messbaren Beitrag zur Biodiversität leistet.