Grosser Rat: welchen Einfluss hat der an gewissen Schulen hohe Fremdsprachenanteil? - Wie Deutschkompetenzen stärken?
Nun geht es um eine weitere Berichterstattung. Diesmal geht es um das Postulat 23.192 betreffend Massnahmen gegen die negativen Auswirkungen des hohen Fremdsprachenanteils an gewissen Schulen, sowie zur Motion 24.213 betreffend Reduktion der frühen Fremdsprachen zugunsten einer Stärkung der Kompetenzen in Deutsch. Weiter geht es um das Postulat 25.267 zur Stärkung der Lese- und Schreibfähigkeiten sowie des Textverständnisses der Schülerinnen und Schüler (Zyklus 1 und Zyklus 2) im Lehrplan 21.
Namens der Kommission spricht wiederum Präsident Markus Lang.
An ihrer Sitzungen vom 21. April 2026 beriet die grossrätliche Kommission BKS die Berichterstattung zu diversen Vorstössen in Bezug auf Fremdsprachen-anteil, frühen Fremdsprachen und Stärkung der Deutschkompetenzen auf der Volksschul-Stufe.
In der Einführung wies das Departement daruaf hin, dass die in Auftrag gegebene Studie unter anderem gezeigt habe, dass die Deutschleistungen insbesondere in der Realschule, aber auch allgemein, zurückgegangen seien. Als Reaktion darauf hat der Regierungsrat ein Strategiepaket Sprachen mit drei Stossrichtungen beschlossen: Integration, Deutschkompetenz sowie den Umgang mit Englisch und Französisch.
Kritik in der Kommission: "Wenig Erkenntnisgewinn"
In der Eintretensdebatte wurde der Bericht zwar verdankt, aber kritisiert, dass die Vorstösse ausser administrativem Mehraufwand wenig Erkenntnisgewinn gebracht hätten. Es sei bereits bekannt gewesen, dass der Anteil fremdsprachiger Lernender nur geringe direkte Auswirkungen auf die Leistungen einer Klasse habe und dass in der Realschule zusätzlicher Förderbedarf bestehe. Ebenso sei klar gewesen, dass die Ziele eines Programms zur Lese- und Schreibförderung bereits im Lehrplan 21 angelegt seien. Kritisiert wurde zudem, dass der Bericht zur Frage der frühen Fremdsprachen keine klare Position einnehme und stattdessen auf noch nicht bekannte Strategien verweise. Es sei fraglich, wie ohne zusätzliche Mittel eine seriöse Umsetzung gelingen solle.
Eine andere Haltung hatte den Bericht als prägnant und hilfreich beurteilt. Er bestätige die Wahrnehmung, dass in Gemeinden mit vielen fremdsprachigen Lernenden überdurchschnittlich viele Schülerinnen und Schüler die Realschule besuchen. Zwar erstaune, dass der Fremdsprachenanteil insgesamt nur geringe Auswirkungen auf die Leistungen habe; dennoch zeigten einzelne Ergebnisse, namentlich im Check S2, deutliche Probleme in Deutsch und Mathematik. Daraus sei zu folgern, dass besonders die Realschule gezielt gestärkt werden müsse, damit ihre Lernenden bessere Anschlusslösungen erreichen könnten. Die geplanten Strategien des Regierungsrats, insbesondere die Deutschförderung, seien deshalb zu begrüssen.
Aus einer weiteren Perspektive wurde betont, die Vorstösse seien berechtigt gewesen, weil ein reales Problem sichtbar geworden sei. Allerdings bestehe eine methodische Schwierigkeit: Die heutigen Primarschülerinnen und Primarschüler zeigten abnehmende Sprachleistungen, während die Auswertungen aus der Oberstufe andere Kohorten beträfen. Es werde sich erst später zeigen, ob sich die heutigen Defizite auf der Oberstufe bestätigten. Zudem würden die Checks nur einzelne Fächer abdecken; über Realienfächer wie Räume, Zeiten, Gesellschaften oder Natur und Technik wisse man dadurch wenig. Die Aussagen zum sozioökonomischen Hintergrund seien teilweise aus anderen Studien beigezogen und nicht direkt verknüpft worden. Dennoch müsse nun von Ankündigungen zur Umsetzung gewechselt werden.
Bericht als Versachlichung einer emotionalen Debatte gewürdigt.
Weiter wurde der Bericht als Versachlichung einer emotionalen Debatte gewürdigt. Der vermutete direkte Zusammenhang zwischen hohem Fremdsprachenanteil und generell schwächeren Leistungen sei relativiert worden. Gleichzeitig zeige sich Handlungsbedarf dort, wo mehrere Belastungsfaktoren zusammenkämen, insbesondere in der Realschule. Entscheidend sei, dass nicht allein Sprache, sondern vor allem der sozioökonomische Hintergrund eine zentrale Rolle spiele. Eine Gesamtstrategie sei sinnvoll, müsse aber später an ihrer Wirkung gemessen werden.
Weitere Voten wiesen darauf hing, dass die Ergebnisse wenig überraschend seien und die Sprachenstrategie allein die Probleme nicht lösen werde. Weil die Schwierigkeiten vor allem in der Realschule sichtbar würden, müsse auch das dreigliedrige Oberstufensystem diskutiert werden. Niveau-Fächer-Unterricht könne ermöglichen, Schülerinnen und Schüler je nach Fach stärker nach ihren Möglichkeiten zu fördern. Unterstützt wurde zudem der Grundsatz, Basiskompetenzen zu stärken, ohne Mehrsprachigkeit abzubauen. Lernende sollten weder überfordert noch unterfordert werden.
Kritisch nachgefragt wurde sodann zur Datengrundlage. Besonders die Einteilung in Lernende mit oder ohne Deutsch als Zweitsprache sei fraglich, wenn die Schulen entsprechende Angaben nicht einheitlich machten. Auch bei den Tabellen des Instituts für Bildungsevaluation seien Muster aufgefallen, die weiterer Klärung bedürften.
Vorstösse abschreiben oder nicht?
In der Detailberatung blieb umstritten, ob die Vorstösse bereits abgeschrieben werden sollten. Eine Haltung sah Postulate erst dann als erledigt an, wenn die Strategie vorliege und ihre Umsetzung erkennbar sei. Dem wurde entgegengehalten, es handle sich um Prüfungsaufträge; diese seien erfüllt worden, und erkannter Handlungsbedarf werde in die Gesamtstrategie aufgenommen.
In den Abstimmungen zum Schluss der Beratung wurde das Postulat zu den negativen Auswirkungen des hohen Fremdsprachenanteils einstimmig abgeschrieben.
Die als Postulat überwiesene Motion zur Reduktion früher Fremdsprachen wurde mit 9 zu 5 Stimmen abgeschrieben; ein Minderheitsantrag verlangte die Aufnahme in die Synopse.
Das Postulat zur Stärkung der Lese- und Schreibfertigkeiten sowie des Textverständnisses wurde wiederum einstimmig abgeschrieben, so Lang.
Rat schreibt alle Vorstösse ab
Nach einer längeren Auslegeordnung durch die Fraktionen wird jetzt über die Abschreibung jedes Vorstosses einzeln entschiedne. Sie werden alle abgeschrieben.