Grosser Rat: wie wirkten die Volksschulreformen im Aargau?
Als nächstes geht es im aargauischen Grossen Rat um den Entwicklungsschwerpunkt 310E023 "Wirkung der umgesetzten Volksschulreformen überprüfen und Massnahmen umsetzen"; Schlussbericht Aargauer Lehrplan Volksschule. Nochmal spricht Kommissionspräsident Markus Lang.
Ebenfalls an der Sitzung vom 21. April 2026 diskutierte die grossrätliche Kommission BKS die Wirkung der umgesetzten Volksschulreformen und die Umsetzung weiterer Massnahmen, sagt Lang.
Beim Eintreten sei der Bericht grundsätzlich gewürdigt worden. Der Lehrplan 21 sei mit seiner Kompetenzorientierung weiterhin richtig und entspreche den Anforderungen von Gesellschaft, Wirtschaft und Gewerbe. Kritisiert wurde jedoch laut Lang, "seine Einführung sei teilweise zu wenig begleitet worden. An einzelnen Schulen werde noch mit alten Mustern und Lehrmitteln gearbeitet". Der damit verbundene Kulturwandel verlange gute Führung, geeignete Lehrmittel, mehr Flexibilität, Entlastung der Klassenlehrpersonen, weniger Administration und gezielte Unterstützung für Schulen mit Nachholbedarf.
Französisch als Ueberforderung für viele Schüler?
Breit diskutiert wurden die Fremdsprachen. Viele Lehrpersonen empfänden insbesondere Französisch als Überforderung für zahlreiche Schülerinnen und Schüler. Für die Realschule wurde deshalb eine Reduktion oder Streichung von Französisch erwogen, damit mehr Zeit für Deutsch, Mathematik oder berufliche Orientierung zur Verfügung stünde. Gleichzeitig wurde Mehrsprachigkeit als wichtig anerkannt, so Lang, aber vor einem starren System gewarnt. Auch die gemeinsame Beurteilung von Englisch und Französisch wurde kritisch hinterfragt, weil schwache Französischleistungen durch gute Englischnoten kompensiert werden könnten.
Das Departement verwies laut Lang auf das Strategiepaket Sprachen und setzte Prioritäten bei Deutsch, Mathematik und einer besseren Datengrundlage.
Auch die Beurteilungspraxis gab zu Diskussionen Anlass. Sie sei teilweise uneinheitlich und wenig transparent; zudem passe die Verbindung kompetenzorientierter Förderung mit Noten nicht immer gut zusammen. Gefordert wurden kantonale Leitlinien, stärkere formative Beurteilung und verständliche Kompetenzrückmeldungen, ohne den Gestaltungsspielraum der Schulen unnötig einzuschränken. Bei Mindsteps und Checks wurde eine differenziertere, kompetenzbezogene Auswertung gewünscht. Gleichzeitig dürften Diagnostik und Tests nicht zu viele Ressourcen binden und die Lernenden nicht unnötig belasten.
Kritisch wurde in der Kommission angemerkt, der Lehrplan habe die Schule teilweise kopflastiger gemacht. Als Beispiel wurde „Wirtschaft, Arbeit, Haushalt“ genannt, wo praktische Tätigkeiten gegenüber theoretischen Anteilen zurückgedrängt worden seien. Zudem wurde bemängelt, dass zwischen Rückmeldungen aus der Praxis, Bericht und Umsetzung viel Zeit vergehe. Auch Erfahrungen anderer Kantone mit dem Lehrplan 21 wurden angesprochen.
In der Detailberatung wurde der Einfluss der Künstlichen Intelligenz ausführlich diskutiert. Der Umgang mit KI setze eigenes Fachwissen voraus, damit Lehrpersonen und Lernende Inhalte beurteilen könnten.
KI verändert Schule und Gesellschaft rasch
Das Departement bestätigte, KI verändere Schule und Gesellschaft rasch und stelle ganze Systeme vor neue Herausforderungen. Der Kanton arbeite dabei mit Fachstellen, der Pädagogischen Hochschule sowie interkantonal und international zusammen. Gute Deutschkenntnisse wurden als demokratiepolitisch zentral bezeichnet, weil Sprache Voraussetzung für Urteilsfähigkeit und Teilhabe sei, gerade wenn es darum gehe, Wahres von Unwahrem zu unterscheiden.
Zur Stundendotation wurde festgehalten, dass mehr Unterrichtszeit allein wenig bringe, wenn die Qualität nicht stimme. Entscheidend seien guter Unterricht, geeignete Lehrmittel, ein bewusster Einsatz digitaler Mittel und gut befähigte Lehrpersonen. Verlässliche Aussagen zu den Ergebnissen seien schwierig, weil eine solide Output-Messung fehle. Auch die Wirkung der höheren Stundendotation an der Realschule sei nicht direkt überprüft worden.
Bei den nicht an ein Fach gebundenen Lektionen wurde vor einem zu starren Abarbeiten von Kompetenzen gewarnt. Überfachliche, soziale und lebenspraktische Fähigkeiten müssten genügend Raum behalten.
Gerade Kinder mit schwierigen Voraussetzungen brauchten Beziehungen, Vorbilder und Zeit für Grundkompetenzen. Positiv bewertet wurde die Möglichkeit, Ein-Lektionen-Fächer flexibler in Doppelstunden, Blöcken oder Projektwochen zu organisieren. Diese Flexibilität bestehe bereits weitgehend und liege vor allem bei den Schulleitungen; Grenzen setzten insbesondere knappe Schulräume.
Debatte über Schwimmunterricht
Der Schwimmunterricht löste ebenfalls eine breite Diskussion aus. Herausforderungen bestünden insbesondere bei Organisation, Kosten und Infrastruktur. Als mögliche Lösungen wurden Intensivwochen, Kooperationen und eine bessere Nutzung vorhandener Anlagen genannt. Die Verwaltung erklärte, Hinweise auf Verstösse gegen gesetzliche Vorgaben würden geprüft und bei Bedarf könne interveniert werden. Angeregt wurde zudem, Schwimmkompetenzen oder den Basic Watercheck separat auszuweisen.
Nach weiteren Diskussionen unter anderem zum Schulverlag, zu Herkunftssprachen, zum gemeinsamen Französischunterricht sowie zu Sportlektionen nahm die Kommission den Schlussbericht abschliessend einstimmig zur Kenntnis, so Markus Lang.