Gemeindeammänner-Vereinigung: jetzt ist auch Oberwil-Lieli wieder dabei
Die Gemeindeammänner-Vereinigung des Kantons Aargau hat in Untersiggenthal vor rund 400 Teilnehmenden ihre Generalversammlung abgehalten. GAV-Präsident Patrick Gosteli erinnerte daran, dass der Aargau derzeit 196 Gemeinden zählt, die GAV nach dem Austritt eines Mitglieds (schon vor einigen Jahren) aber nur 195 Mitglieder.
Er habe der betreffenden Gemeinde mal einen Brief geschrieben, er würde ihnen gern die GAV vorstellen, sagte er. Und siehe da, er wurde vom dortigen Gemeinderat eingeladen. Nach seinem Auftritt sei ihm beschieden worden, er werde von ihnen hören. Nun konnte Gosteli in Untersiggenthal unter grossem Applaus verkünden, dass wieder alle Gemeinden GAV-Mitglieder sind: "Jetzt ist auch Oberwil-Lieli wieder dabei." Diese war in Untersiggenthal grad vertreten durch Frau Vizeammann Jenny Rees-Gerber.
Zur Erinnerung: Oberwil-Lieli ist per 2018, damals noch unter Gemeindeammann Andreas Glarner aus der GAV ausgetreten. Gegenüber der AZ hatte Glarner schon anfangs Februar 2017 gesagt, der tiefere Grund sei, dass die GAV beim neuen Finanzausgleich gegen zahlreiche Gemeinden agiere. Die Empfehlungen für Behördenlöhne hätten dann den Ausschlag gegeben, ihr einen entsprechenden Brief zu schreiben. Per 2018 trat seine Gemeinde dann tatsächlich aus der GAV aus.
Gosteli einstimmig für 2026 bis 2029 im Amt bestätigt
Zurück zur GV der Gemeindeammänner-Vereinigung in Untersiggenthal. Da stand auch eine Wahl an: Patrick Gosteli wirke mit viel Herzblut und auch mit der Erfahrung als Gemeindeammann von Böttstein als GAV-Präsident. Er sei hervorragend vernetzt, auch als Grossrat, warb GAV-Vizepräsidentin Barbara Horlacher (Frau Stadtammann von Brugg) namens des einstimmigen Vorstandes für die Wiederwahl Gostelis für die Amtsperiode 2026 bis 2029. Er wurde diskussionslos einstimmig und mit Applaus bestätigt.

Dieter Egli: die Gemeinden sind das Rückgrat unserer Demokratie
Regierungsrat Dieter Egli verwies in seiner Ansprache als Schirmherr der Gemeinden auf geopolitische Umbrüche und Verwerfungen, die sich ganz konkret auf unsere Arbeit auswirken. Eine Macht, die uns auf die Probe stelle, verunsichere uns als Gesellschaft. Egli hob hervor: "Die Gemeinden sind das Rückgrat unserer Demokratie."
Unsere Entscheidungsstruktur habe aber auch einen Preis. Sie sei nur glaubwürdig, wenn die Gemeinden wirklich autonom sind und ihre Aufgaben auch erfüllen und finanzieren können. Für viele sei die finanzielle Situation schwierig. Das sei besonders spürbar bei Pflege, Sozialhilfe, Integration: "Kostenblöcke die immer grösser werden." Egli kam auch auf den Vorwurf zu sprechen, der Kanton schiebe den Gemeinden immer mehr Aufgaben zu - ohne die Mittel dafür. Aus Sicht der Regierung stimme der Vorwurf nicht, sagte Egli, und: «Wir lösen das Kostenproblem nicht, wenn wir es einfach zwischen Kanton und Gemeinden umschichten.» Er suche den Austausch mit den Gemeinden und schätze ihn sehr.
Es gelte, der Bürgerschaft zu zeigen, wie wichtig die Gemeinden für die Demokratie sind. Man könne mitbestimmen, müsse mit den Unterschieden zwischen den Gemeinden aber auch leben können. Die kleinräumige, identitätsstiftende Struktur sei zu erhalten, aber auch effizient zu gestalten, damit sie bezahlbar bleibt.
Gewichtige Stimme bei der Justierung des Finanzausgleichs
In seinem Jahresbericht verwies Präsident Gosteli unter anderem auf die zahlreichen Vernehmlassungen, an denen sich die GAV beteiligt hat. Man habe etwa beim Gemeinde- oder dem Finanzausgleichsgesetz, dem Strukturbericht zur Gemeindelandschaft im Kanton Aargau wie bei verschiedenen Verfahren mitwirken können. Im Soundingboard Taxoptima habe sich der GAV bei der Umsetzung der geplanten Anpassungen zum Steuerbezug, der Zuständigkeit bei Inventaren oder der Behandlung der Steuerkommission einbringen können.
Irgendwann gemeinsames Portal Kanton/Gemeinden
Irgendwann sei es möglich, dass Kanton und Gemeinden ein gemeinsames Portal haben, sodass die Information aus einer Hand kommt, sagte der GAV-Präsident weiter. Davon werden Kanton und Gemeinden je einen Teil finanzieren. Für Smart Services Aargau zahlen 97 % der Gemeinden (freiwillig) jährlich ein. Aktuell seien über 800 000 Franken geäufnet, so Gosteli. Deshalb schlage der Vorstand vor, die Mitgliederbeiträge zu halbieren, das reiche, um die jährlichen Kosten zu decken. Der Vorschlag wurde einstimmig gutgeheissen. Smart Services Aargau verfolgt das Ziel, die digitale Transformation im Kanton nach dem Grundsatz «Digital First» voranzutreiben. Schwerpunkte sind ein gemeinsames Serviceportal, Standardisierung sowie die verstärkte Zusammenarbeit
Fachkräftemangel: GAV will es jetzt wissen
Der Fachkräftemangel stellt nicht nur für die Privatwirtschaft, sondern auch für die öffentliche Verwaltung im Kanton Aargau eine zunehmend strategische Herausforderung dar. Die Gründe dafür sind demografische Entwicklungen, steigende fachliche Anforderungen sowie die wachsende Konkurrenz durch die Privatwirtschaft auf dem Arbeitsmarkt. Dies erschwere es den Gemeinden, qualifizierte Mitarbeitende zu gewinnen und langfristig zu halten. Gleichzeitig nehmen Umfang und Komplexität der kommunalen Aufgaben sowie die Erwartungen von Bevölkerung und Politik kontinuierlich zu.
Bereits vor einigen Jahren wurde die Task Force Fachkräftemangel von der Präsidentenkonferenz aller Gemeindepersonal-Fachverbände ins Leben gerufen. Sie besteht aus den Präsidien und/oder Delegierten der Vorstände der Fachverbände der Gemeindeschreiberinnen und -schreiber, der Steuerfachleute, der Finanzfachleute, der Berufsbeiständinnen und -beiständen, der Sozialdienste sowie der GAV, welche in diesem Projekt den Lead hat.
Sie führte eine HR- Befragung sowie eine breit abgestützte Mitarbeitendenbefragung mit rund 2'300 Teilnehmenden durch. Jetzt wolle man in die nächste Phase eintreten und in die Mitarbeitenden investieren und eine Programmorganisation aufbauen. Die Gemeinden sollen dafür (freiwillig) je nach Einwohnerzahl zwischen 250 bis 3500 Franken jährlich zahlen.
Die Teilnehmenden genehmigten (bei drei Gegenstimmen) die Einführung einer Programmfinanzierung zum Aufbau einer Programmorganisation und zur Umsetzung von Massnahmen in Sachen Fachkräftemangel.

Das will die GAV erreichen
Ziel des Programms ist es, durch gezielte und nachhaltige Massnahmen die öffentliche Verwaltung als attraktive, zukunftsfähige Arbeitgeberin zu positionieren, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Es wurden folgende übergeordnete Ziele definiert, die Patrick Gosteli vor den rund 400 Teilnehmenden auflistete.
- Bestehende Mitarbeitende fördern und binden Die Motivation, Qualifikation und Bindung der bestehenden Mitarbeitenden durch gezielte Weiterbildungsangebote, Karrieremöglichkeiten und moderne Arbeitsbedingungen langfristig sichern.
- Nachwuchsförderung stärken Den Zugang zur öffentlichen Verwaltung für junge Menschen durch moderne Ausbildungsangebote, gezielte Kommunikation und attraktive Entwicklungsperspektiven nachhaltig verbessern.
- Quereinsteigende gezielt integrieren Den Quereinstieg in die öffentliche Verwaltung systematisch erleichtern und attraktiv gestalten, um neue Zielgruppen zu erschliessen und Kompetenzen effektiv zu nutzen.
- Netzwerke aufbauen und stärken Den systematischen Aufbau, die Pflege und Nutzung der Netzwerke fördern, um den Wissensaustausch und die Zusammenarbeit der öffentlichen Verwaltung als Arbeitgeberin nachhaltig zu stärken.
- Kader und politische Führung stärken Die Führungsqualität und -kultur der Kader sowie der politischen Führung durch verbindliche Führungsgrundsätze und gezielte Führungsentwicklung stärken, um eine wirkungsvolle Führung, eine zukunftsorientierte Steuerung und ein wertschätzendes Klima sicherzustellen.