E-Learning für Apotheken: Neues Schulungsmodul legt Fokus auf Gewalt bei älteren Paaren

Apotheken sind wichtige niederschwellige Anlaufstellen für gewaltbetroffene Personen. Ab September 2026 steht dem Apothekenpersonal im Kanton Aargau ein weiteres E-Learning-Modul zur Verfügung. Es vermittelt Fachwissen und praxisnahe Handlungsmöglichkeiten, um Gewalt in Partnerschaften älterer Menschen besser zu erkennen, Betroffene angemessen anzusprechen und ihnen Unterstützungsangebote aufzuzeigen. Dies teilt das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) mit.

Seit Mai 2025 steht dem Apothekenpersonal im Kanton Aargau ein von pharmaSuisse anerkanntes E-Learning zu Partnerschaftsgewalt zur Verfügung. Ein neues Modul erweitert dieses Angebot und nimmt die besonderen Dynamiken häuslicher Gewalt bei älteren Paaren in den Blick.

Gewalt bei älteren Paaren bleibt oft verborgen

Gewalt in Paarbeziehungen kennt laut Mitteilung keine Altersgrenze. Sie kann bereits seit vielen Jahren bestehen oder sich durch Veränderungen im Alter verschärfen – etwa bei der Pensionierung, bei gesundheitlichen Einschränkungen, Pflegebedürftigkeit oder zunehmender sozialer Isolation. Scham, Angst vor den Folgen und Abhängigkeiten können es Betroffenen zusätzlich erschweren, sich an eine spezialisierte Stelle oder an die Polizei zu wenden.

Apotheken als wichtige Anlaufstellen

Viele ältere Menschen besuchen regelmässig eine Apotheke und kennen das Fachpersonal seit Jahren. Dieses Vertrauensverhältnis bietet die Chance, mögliche Anzeichen von Gewalt frühzeitig wahrzunehmen. Das E-Learning zeigt, wie Mitarbeitende solche Hinweise ohne Vorurteile einordnen, das Thema behutsam ansprechen, eine erste Unterstützung anbieten und Betroffene an geeignete Fachstellen vermitteln können.

Praxisnahes E-Learning für Apothekenpersonal

Der Kurs sensibilisiert für die Besonderheiten von Gewalt bei älteren Paaren und vermittelt konkrete Hilfsmittel für den Apothekenalltag. Weil die fachlichen Grundlagen nochmals aufgegriffen werden, eignet sich die Schulung sowohl als Vertiefung des ersten Moduls als auch als Einstieg.

Entwickelt wurde das Schulungsmodul von der Westschweizer Konferenz der Gleichstellungsbüros in Zusammenarbeit mit den kantonalen Interventions- und Koordinationsstellen sowie weiteren Fachpersonen aus Forschung und Praxis. Die Fachstelle Häusliche Gewalt macht das Angebot für das Apothekenpersonal im Kanton Aargau ab 24. September 2026 zugänglich. Die Teilnahme für das Personal von Apotheken ist kostenlos. Die Platzzahl ist beschränkt und Interessierte können sich bis Dezember 2026 anmelden. Das Weiterbildungsangebot ist Teil des kantonalen Massnahmenplans zur Umsetzung der Istanbul-Konvention.

Hilfe und Unterstützung bei häuslicher Gewalt

Polizei-Notruf: 117 (24h)

Opferberatung Aargau: 062 835 47 90

Anlaufstelle gegen Häusliche Gewalt: 062 550 20 20

Nationales Kompetenzzentrum Alter ohne Gewalt: 0848 00 13 13

Opferhilfe-Nummer 142 (neu seit 1. Mai 2026)

Weitere Adressen und Informationen zu häuslicher Gewalt in verschiedenen Sprachen sind zu finden unter www.ag.ch/stoppgewalt