Bundesrat Beat Jans besucht Aargauer Pioniermodell "Kooperation Arbeitsmarkt"

Bundesrat Beat Jans hat heute gemeinsam mit dem Leiter der Direktion für Arbeit des SECO, Jérôme Cosandey, und Regierungsrat Dieter Egli das Ausbildungszentrum Swiss Logistics in Rupperswil besucht. Vor Ort liess er sich zeigen, weshalb der Kanton Aargau als Vorreiter der interinstitutionellen Arbeitsmarktintegration gelte, wie es in einer Medienmitteilung des kantons dazu heisst.

Fachleute demonstrierten, wie dank des Netzwerks "Kooperation Arbeitsmarkt" auch Stellensuchende mit erschwerten Voraussetzungen dauerhaft Zugang zum Arbeitsmarkt haben und Unternehmen effizient Mitarbeitende finden. Entscheidend sei, dass jene Menschen arbeiten könnten, die bereits hier lebten – Geflüchtete, ältere Stellensuchende oder Wiedereinsteigerinnen. Der Kanton Aargau beweise, dass dies funktioniert, wenn alle Fäden beim RAV als 'Single Point of Contact' zusammenliefen, sagte der Vorsteher des eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements vor den Medien in Rupperswil. "Integration lohnt sich immer, für alle", so Bundesrat Beat Jans weiter.

Zusätzliche Anstrengungen bei Stellensuchenden nötig: inländische Arbeitskräfte zuerst zu nutzen

Angesichts der bevorstehenden Abstimmung über die Volksinitiative "Keine 10-Millionen-Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)" brauche es zusätzliche Anstrengungen, diese inländischen Arbeitskräfte zuerst zu nutzen. Das bestätigt auch Jérôme Cosandey, Leiter der Direktion für Arbeit beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO): "Wo gibt es noch unausgeschöpftes Arbeitskräftepotenzial in der Schweiz? Das kann ich Ihnen sagen: Einen wichtigen Hebel stellen Personen auf Stellensuche dar. Diese verkörpern unausgeschöpftes Potenzial."

Für die Betroffenen und ihre Familien, für die Arbeitgeber und zuletzt für die Finanzen unserer Sozialwerke brauche es den gemeinsamen Willen, um die bereits hier lebenden Menschen nachhaltig in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Kooperation statt Zuständigkeitsgrenzen – das Aargauer Modell "Damit Menschen mit schwierigen Startbedingungen Arbeit finden, müssen viele Räder präzis ineinandergreifen", unterstrich Volkswirtschaftsdirektor Dieter Egli.

Drehtüreffekt vermeiden

Um den sogenannten Drehtüreffekt – ständige Wechsel zwischen Anlaufstellen ohne klare Zuständigkeit – zu vermeiden, haben das Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Aargau und die SVA Aargau im Jahr 2019 die "Kooperation Arbeitsmarkt" (KoAm) lanciert. Das Netzwerk verbindet Regionale Arbeitsvermittlung (RAV), Invalidenversicherung, kantonale Integrationsförderung, Sozialdienste interessierter Gemeinden, Unternehmen und Verbände. AMIplus – gezielte Unterstützung für Stellensuchende Ein zentrales Angebot von KoAm ist die "Arbeitsmarktliche Integration plus" (AMIplus), die von Gemeinden oder dem Migrationsamt genutzt werden kann.

Sozialhilfebeziehende und anerkannte Geflüchtete erhalten laut Mitteilung des Kantons "durch systematisches Assessment, gezielte Qualifizierung, enge Zusammenarbeit mit Arbeitgebern und wirkungsvolle Nachbetreuung die Chance, sich für den ersten Arbeitsmarkt zu qualifizieren".

Vor allem kleinere Gemeinden verfügen oft nicht über die Ressourcen, um Sozialhilfebeziehende eigenständig und wirkungsvoll in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Hier setze AMIplus an: Gemeinden profitieren laut Mitteilung von der Erfahrung und dem Netzwerk der Integrationsberatung. Klientinnen mit Mehrfachproblematiken können so bedarfsgerecht begleitet werden. Für Gemeinden bringen klare Prozesse mit laufenden Erfolgskontrollen eine spürbare Entlastung sowie sinkende Sozialhilfekosten.

Vermittlungsquote von 41 Prozent

Seit dem Jahr 2019 wurden im Rahmen von AMIplus 2'019 Fälle bearbeitet. 2025 fanden 86 Stellensuchende aus dem Migrationsbereich innert durchschnittlich 1,25 Jahren eine feste Stelle, was bei 210 Dossiers einer Vermittlungsquote von 41 Prozent entspricht. Bei den Gemeinden konnten im vergangenen Jahr 70 Sozialhilfebeziehenden eine feste Stelle vermittelt werden, was bei 158 laufenden Dossiers einer Vermittlungsquote von 44 Prozent entspreche.

Arbeitgeberservice als Drehscheibe

Damit die Integration gelingt, brauche es engagierte Unternehmen und Verbände. Der Arbeitgeberservice des Amts für Wirtschaft und Arbeit sei dafür die zentrale Drehscheibe: Beratung zu Förderinstrumenten, Integration und Gesundheit, finanzielle Zuschüsse für Praktika oder Einarbeitung sowie Zugang zur Stellenplattform arbeit.swiss reduzieren Risiken und erleichtern die Rekrutierung. "Die Suche nach passenden Mitarbeitenden ist schwierig", erklärt Reto Huber, Geschäftsführer Postauto bei der Voegtlin-Meyer AG in Brugg. "Dank der Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeberservice haben wir in den letzten 13 Jahren elf Stellensuchende eingestellt, darunter vier Langzeitarbeitslose."

Bundesrat Beat Jans sieht in KoAm laut Mitteilung einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Fachkräftebedarfs. "Gleichzeitig bedeute eine erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt weniger zusätzliche Zuwanderung, weniger Kosten für die Sozialhilfe und nicht zuletzt eine bessere Integration in die Gesellschaft", sagte er.

Ukrainer im Aargau überdurchschnittlich im Arbeitsmarkt

Ein Blick auf die Zahlen zeige, dass das Aargauer Modell wirke: Per Ende Februar 2026 lag die Erwerbsquote der Personen aus der Ukraine mit mindestens drei Jahren Aufenthaltsdauer im Aargau bei 56 Prozent, während der gesamtschweizerische Durchschnitt 46 Prozent betrug. Der Aargau erfüllt demnach die Zielvorgabe des Bundes, der eine Erwerbsquote von 50 Prozent nach drei Jahren vorsieht. Über alle Flüchtlingsgruppen (Status S und vorläufig Aufgenommene) gesehen gingen im Kanton Aargau im Durchschnitt 47,5 Prozent einer Erwerbstätigkeit nach, schweizweit waren es 39,8 Prozent.

Die enge, verbindliche Zusammenarbeit über Systemgrenzen hinweg schaffe Perspektiven für Menschen und entlastet gleichzeitig die Sozialwerke, heisst es dazu weiter. "Mit AMIplus verzahnen wir Arbeitsmarkt-, Sozialund Integrationspolitik so, dass Stellensuchende und Unternehmen gleichermassen profitieren", fasste Regierungsrat Dieter Egli zusammen. "Die Kooperation Arbeitsmarkt zeigt, wie wir Integration ganzheitlich denken und umsetzen können."