Breit abgestütztes Komitee wirbt für Gesamtverkehrslösung VERAS für Suhr und die Region

Breit abgestütztes Komitee wirbt für Gesamtverkehrslösung VERAS für Suhr und die Region
Die Bahnbarriere bei Möbel Pfister ist wieder mal zu, sofort staut sich der Verkehr. Im Bild von links Claudio Erdin, Hans-Peter Zehnder, Stefan Huwyler, Carmen Suter-Frey, Lucia Lanz. Foto: MKU

Am 14. Juni stimmen die Aargauerinnen und Aargauer nebst zwei nationalen (10-Mio-Initiative und Zivildienstgesetz) auch über zwei kantonale Vorlagen ab. Dies ist nebst der Bildungsinitiative die Vorlage für die Verkehrsinfrastruktur-Entwicklung Raum Suhr (VERAS). Zur Abstimmung kommt es, weil gegen einen deutlichen Beschluss des Grossen Rates erfolgreich das Behördenreferendum ergriffen worden war.

Das Komitee VERAS JA hat heute in Suhr an einer Medienkonferenz seine Argumente für die Vorlage vorgetragen. Tagtäglich komme es in Suhr zu Stau, und zwar immer mehr, sagte einleitend der FDP-Grossrat, Präsident der Aargauischen Verkehrskonferenz (AVK) und Kampagnenleiter Stefan Huwyler. Das müsse man dringend ändern. Nach einem langjährigen politischen Prozess liege jetzt eine Lösung vor. Hinter dieser stünden fünf Parteien (SVP, FDP, Mitte, EVP Jungfreisinnige), acht Mobilitäts- (darunter TCS Sektion Aargau) und sechs Wirtschaftsverbände (darunter der aargauische Gewerbeverband, die Aargauische Industrie- und Handelskammer und der Bauernverband Aargau).

An der Pressekonferenz von links: Benjamin Giezendanner, Marianne Kamm, Stefan Huwyler, Carmen Suter-Frey, Hans-Peter Zehnder, Lucia Lanz, Claudio Erdin. Foto: MKU

Erdin: Verkehrsströme werden getrennt, alle haben etwas davon

Es handle sich um ein Projekt, das eine zukunftsweisende Mobilität garantiere, warb TCS-Aargau- Geschäftsführer Claudo Erdin für die Vorlage. Ihn irritiere deshalb das Behördenreferendum etwas, da hier ein Gesamtkonzept für Bahn, Auto, Velo und Fussgänger gehe. Erdin: "Alle werden berücksichtigt, die Verkehrsströme werden getrennt, alle haben etwas davon." Dank diesem Projekt können nachher auf der Bahnlinie, die heute mit zwei Barrieren in Suhr immer wieder den Verkehr blockiert, mehr Personen- und Güterverkehr abgewickelt werden. Für Erdin ist VERAS sogar ein Vorbild für künftige Infrastrukturprojekte.

Schon seit vielen Jahren engagiert sich der Industrielle und Präsident IG Umfahrung Suhr, Hans-Peter Zehnder (Gränichen/Meisterschwanden) für eine Lösung. Ursprünglich habe es "Ortsumfahrung Suhr" geheissen, blickte er zurück. Daraus ist dann viel mehr erwachsen. Für ihn ist klar: "Dank VERAS hat die Bevölkerung künftig weniger Stau und weniger Lärm, denn diese Gesamtlösung berücksichtigt die Umwelt."

Die geplante Brücke über die Bernstrasse und das Bahntrassee ist eine der sichtbarsten geplanten Massnahmen. Visualisierung Kanton Aargau

Suter-Frey: Die ganze Region steht hinter dem Projekt

Besonders wichtig ist in so einem Fall natürlich, ob die Bevölkerung selbst auch hinter Vorlage steht. Das Projekt sei extrem wichtig für die Region, eben auch für umliegende Orte bringe eine massive Entlastung, etwa die geplante Brücke (vgl. Visualisierung oben) und gleichzeitig eine Aufwertung für Suhr, warb Gemeindepräsidentin Carmen Suter-Frey: "Die ganze Region steht hinter dem Projekt." Ein wichtigher Punkt ist für sie, dass es dafür hohe Beiträge aus dem Agglomerationsprogramm des Bundes gibt.

Lanz: heutige Situation nicht zumutbar

Das Projekt sei "für uns ein entscheidendes Puzzlestück für die wirtschaftliche und soziale Zukunftsfähigkeit des Bezirks Kulm", betonte SP-Grossrätin Lucia Lanz aus dem Bezirk Kulm. Diese Region hat in der Industrioe viele Arbeitsplätze verloren, wächst gleichwohl bevölkerungsmässig stark. In dieser Situation nichts zu machen sei "grundsätzlich die schlechteste und unsozialste Option", machte Lanz klar. Sollte der heutige Zustand anhalten, würde die Verkehrssituation noch schlimmer, "schlicht nicht zumutbar". Die Vorlage bindet das Wynental besser an die A1 an.

Kamm: Blaulichtorganisationen kommen so schneller ans Ziel

Ins selbe Horn stiess Marianne Kamm, Verbandssekretärin der ASTAG Aargau. Die heutige Situation berge unnötige Risiken für Fussgänger und Velofahrer. Dank VERAS gebe es sichere Verbindungen ins Zentrum, die Quartiere werden entlastet, es gibt mehr Platz für den Zubringerdienst in die Dörfer. Auch die Blaulichtorganisationen profitierten davon, indem sie so das Ziel schneller erreichen.

Giezendanner: für Wirtschaftsstandort unglaublich wichtig

Der Aargau sei ein Kanton der Regionen, die es aufzuwerten gelte, doppelte der SVP-Nationalrat und Präsident des Aargauischen Gewerbeverbandes, Benjamin Giezendanner, nach. Im Bezirk Kulm hätten Arbeitgeber wie Arbeitnehmer einen grossen Nachteil, indem sie hier im Stau eine halbe Stunde verlieren. Und wenn sie tagsüber zum Beispiel als Handwerker wieder hier und wieder zurück durch müssen, um einen Auftrag zu erfüllen, verlören sie grad noch einmal eine halbe bis eine Stunde. Der Bund wolle zudem den Langsamverkehr steigern, dafür brauche es aber auch attraktive Fuss- und Velowege. Hier bringe man das Ganze mit Lebensqualität in Einklang. Für den Wirtschaftsstandort sei das unglaublich wichtig. Die hohen Kosten dafür tun ihm weh, "aber wenn wir das jetzt nicht machen, geht es weitere 20 Jahre, bis etwas Neues bereit ist".

Prominent besetztes Co-Präsidium, auch ein grüner Grossrat

Dass das Projekt in der Region gut abgestützt ist, zeigt unter anderem, dass nebst Gemeindepräsidetin Carmen Suter-Frey auch der Gemeinderat und grüne Grossrat Thomas Baumann im Ja-Komitee sitzt, Mitte-Ständerätin Marianne Binder, FDP-Nationalrätin Maja Riniker, Karin Faes (Präsidentin bauenaargau), FDP-Kantonalpräsidentin Sabina Freiermuth, Marianne Wildi (Präsidentin Aarg. Industrie- und Handelskammer AIHK), Christoph Hagenbuch (Präsident Bauernverband Aargau, Grossrat SVP), Stefanie Heimgartner (Präsidentin ASTAG Aargau, Nationalrätin SVP), Karin Koch Wick (Co-Präsidentin Die Mitte Aargau, Grossrätin), Patrick Gosteli (Präsident TCS Sektion Aargau, Grossrat SVP), Pascal Furer (Fraktionspräsident SVP Aargau, Grossrat), Christian Minder (Co-Präsident EVP Aargau, Grossrat) und weitere. Komiteemitglieder sind nebst vielen anderen auch der SP-Grossrat Marius Fedeli.

Die SP Aargau, deren Fraktion im Grossen Rat die Referendumsabstimmung zusammen mit den Grünen erreicht hat, hat übrigens inzwischen Stimmfreigabe beschlossen.

Weitere Informationen zum Ja-Komitee: VERAS-JA.ch

Die Karte zeigt die geplanten Massnahmen. Grafik: zvg/Kanton Aargau

Beschrieb von VERAS gemäss Abstimmungsunterlagen des Kantons

VERAS umfasst auf einer Länge von fast fünf Kilometern mehrere Brückenneubauten, einen Strassentunnel, umfassende Knotenumgestaltungen sowie die Anbindung des neuen Wohnund Gewerbegebiets «Bahnhof Süd» in Suh

r. Im Bereich der Bernstrasse Ost (K235) wird eine neue Wynabrücke sowie die neue Überführung B-178 über die Bahnlinien von SBB und Aargau Verkehr AG (AVA, ehemals WSB) realisiert.

Die neue Unterführung Stockmatte B-9142 ermöglicht dem Fuss- und Veloverkehr die sichere Unterquerung der Kantonsstrasse. Am Kreisel Sagimättli schliesst die Neue Kantonsstrasse NK241 an die Bernstrasse Ost an und setzt sich dann entlang des AVA-Bahntrassees und des Siedlungsrands von Suhr fort. Kurz vor dem nördlichen Tunnelportal Wynematte wird das Suhrer Entwicklungsgebiet «Bahnhof Süd» an die neue Kantonsstrasse angeschlossen.

Der 843 Meter lange, neue Tunnel Wynematte schützt das angrenzende Buhalde-Quartier vor Lärm. Nach dem Bau des Tunnels kann die Fläche darüber wieder landwirtschaftlich genutzt werden. Am südlichen Ende des Tunnels ist der Anschluss an die Neue Kantonsstrasse NK240, welche als neue Querverbindung von der Gränicherstrasse (K242) im Osten bis zur Suhrentalstrasse (K108) im Westen dient.

Die bestehende Brücke an der Gränicherstrasse über die A1 wird durch zwei neue Brücken ersetzt: eine für die Kantonsstrasse und eine für die AVA-Bahnlinie. Dies ermöglicht einen zukünftigen Doppelspurausbau der AVA. Die bestehende Überführung Langmattweg N1-215 über die Autobahn wird abgebrochen und für eine mögliche Erweiterung der A1 durch eine längere, stützenlose Brücke ersetzt. Die Industrie- und Gewerbezone von Suhr wird an der neuen Kreuzung Hürdli an die Kantonsstrasse angeschlossen. Dies entlastet das Suhrer Wohnquartier Helgefeld/Frohdörfli vom Schwerverkehr.

Ausserdem ermöglicht hier die neue Brücke B-8101 dem Fuss- und Veloverkehr das sichere Queren der Neuen Kantonsstrasse NK240. Um den Verkehr über das Verkehrsmanagement gezielt steuern zu können, wird der heutige Kreisel Weltimatt durch zwei lichtsignalgesteuerte Kreuzungen ersetzt: eine für den Anschluss der Neuen Kantonsstrasse NK240 an die Suhrentalstrasse und eine für die Anbindung des Oberentfelder Industriequartiers Ausserfeld. Massnahmen Fuss- und Veloverkehr Mit VERAS entsteht durch den Bau der Unterführung Stockmatte unter der Bernstrasse Ost eine neue und direkte Verbindung für den Veloverkehr zwischen Gränichen und dem Wynefeld beziehungsweise der Badi Suhr.

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