Aargau mit 345 Millionen Franken Überschuss - neu sogar 1,4 Milliarden Franken in der Ausgleichsreserve?
Der Regierungsrat stellte heute in Aarau die Jahresrechnung 2025 des Kantons vor. Diese schliesst mit einem Überschuss von 345 Millionen Franken ab. Ohne die bei der Budgetierung nicht absehbaren Mehrerträge aus den Ausschüttungen der Schweizerischen Nationalbank und der Axpo Holding AG (inkl. Sonderdividende) würde der Überschuss 117 Millionen Franken betragen. Das Jahresergebnis 2025 bewege sich damit im Rahmen der Abschlüsse der Vorjahre und bestätigt die stabile Finanzlage des Kantons, sagte ein sichtlich erfreuter Finanzdirektor Markus Dieth bei der Vorstellung des neunten Überschusses in Folge.
Sie hätten sich gefragt, ob man an einem 1. April die Jahresrechnung präsentieren könne. Man wage es jetzt , so der Finanzdirektor schmunzelnd. Die guten Zahlen seien wirklich kein Aprilscherz.
Zur positiven Jahresrechnung haben vier Faktoren massgeblich beigetragen, wie Dieth sagte: Besonders hervorzuheben seien
- die nicht budgetierte Ausschüttung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) von 162 Millionen Franken
- und die nicht budgetierten Mehrerträge aus der Ausschüttung der Axpo Holding AG im Umfang von 65,6 Millionen Franken. Allein diese nicht budgetierten Ausschüttungen tragen 227,7 Millionen Franken oder rund 66 Prozent zum Überschuss bei
- Hinzu kommen höhere Steuererträge
- und aufwandseitige Budgetunterschreitungen. Bei den Steuererträgen konnte die Budgetgenauigkeit gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessert werden (was vom Grossen Rat auch angemahnt worden ist).

Der Blick auf die Grafik mit der Schuldenentwicklung - die vor zehn Jahren noch viele Sorgen bereitet hat - zeigt: alle Schulden sind abbezahlt, es kamen keine Fehkbeträge dazu, auch sind keine bisherigen Fehlbeträge mehr abzutragen, auch die ganze Spezialfinanzierung Sonderlasten ist abbezahlt. Man stehe vor einem «soliden, ausgeglichenen Haushalt, der uns Stabilität gibt», so Dieth zusammenfassend.
Mit Blick auf absehbare und zum grossen Teil nicht beeinflussbare Mehrbelastungen (vgl. weiter unten) und bestehende konjunkturelle Unsicherheiten in den nächsten Jahren beantragt der Regierungsrat gleichwohl, den Überschuss der Ausgleichsreserve zuzuweisen.

Gesamtaufwand 0,5 % tiefer als budgetiert
Der konsolidierte Gesamtaufwand liegt mit 6'032,5 Millionen Franken rund 31 Millionen Franken oder 0,5 Prozent unter dem Budget. Das zeige, dass mit den vom Grossen Rat beschlossenen Mitteln haushälterisch umgegangen wurde, hiess es an der Medienkonferenz, der auch zahlreiche Finanzpolitikerinnen und -politiker aus dem Grossen Rat beiwohnten. Auch die personellen Ressourcen seien umsichtig eingesetzt worden.

Spitalfinanzierung belastete Rechnung stärker als budgetiert
Der Stellenplan wurde eingehalten und beim Personalaufwand zeigt sich eine Unterschreitung um 8 Millionen Franken beziehungsweise 0,4 Prozent im Vergleich zum Budget. Neben positiven Abweichungen durch Mehrerträge und Budgetunterschreitungen komme es auch zu einzelnen Budgetüberschreitungen, so Dieth weiter. Die grösste Verschlechterung im Vergleich zum Budget betreffe die Spitalfinanzierung im Umfang von rund 65 Millionen Franken. Sie hängt massgeblich mit der Fallzahlen- und Tarifentwicklung in der Akutsomatik zusammen.
Markus Dieth verweist auf absehbare Zusatzbelastungen
In den kommenden Jahren ist mit erheblichen Zusatzbelastungen zu rechnen. Bei den laufenden Ausgaben sind insbesondere die schwer beeinflussbaren, stark steigenden Gesundheitsausgaben zu erwähnen. Zudem wird die Einführung der einheitlichen Finanzierung der ambulanten und stationären Leistungen (EFAS) den Haushalt um jährlich bis über 100 Millionen Franken zusätzlich belasten. Auch in weiteren Aufgabenbereichen wie der Bildung, der Sicherheit, den Prämienverbilligungen oder den Ergänzungsleistungen ist ein starkes, teils schwer steuerbares Ausgabenwachstum zu verzeichnen. Hinzu kommt der stark steigende Investitionsbedarf, insbesondere im Bildungsbereich. Durch die geplante Aufhebung des Finanzierungsmodells für grosse Immobilienvorhaben werden anstehende Investitionen bei den Mittelschulen sowie den Gesundheits- und Sozialschulen die Jahresrechnung zusätzlich stark belasten. Mehrausgaben entstehen für den Kanton auch aus dem Entlastungspaket des Bundes.
Regierung: für finanzielle Stabilität Ausgleichsreserve äufnen nötig
Angesichts dieser anstehenden Zusatzbelastungen und auch um den Handlungsspielraum zur Stärkung der Standortattraktivität weiter zu erhalten, beantragt der Regierungsrat dem Grossen Rat den Überschuss von 345 Millionen Franken in die Ausgleichsreserve einzulegen. Der Bestand der Ausgleichsreserve erhöht sich unter Berücksichtigung dieser Einlage per Ende 2025 auf rund 1,4 Milliarden Franken. Darüber entscheiden wird der Grosse Rat.
Markus Dieth sagte in seinem Ausblick: "Mit Blick auf die absehbare Belastung des Finanzhaushalts, konjunkturelle Unsicherheiten sowie zur weiteren Stärkung unseres Wirtschafts- und Wohnkantons ist eine Äufnung der Ausgleichsreserve angemessen. Die Ausgleichsreserve trägt dazu bei, den Druck auf die Kantonsfinanzen abzufedern und wichtige Investitionen des Kantons, insbesondere auch in Bildung und Infrastruktur, weiterhin zu ermöglichen."
Die Entwicklungsschwerpunkte der Regierung
Der Regierungsrat verfolgt rund 70 Entwicklungsschwerpunkte aus allen Departementen und der Staatskanzlei im Rahmen des Aufgaben- und Finanzplans (AFP), um den Kanton Aargau weiterzuentwickeln und die guten Rahmenbedingungen für die Bevölkerung und die Wirtschaft auch in Zukunft zu erhalten. Dies erläöterte der stellvertretende Staatsschreiber Fabian Humbel.
Mit dem im November 2025 vom Grossen Rat zur Kenntnis genommenen Entwicklungsleitbild (ELB) 2025–2034 setzt der Regierungsrat zusätzlich einen Fokus auf den Arbeits-, Wirtschafts- und Forschungsstandort Aargau. Zu den Schwerpunkten gehören unter anderem die Stärkung des Wirtschaftsstandorts, die Weiterentwicklung der Energiepolitik, Investitionen in die Bildungsinfrastruktur sowie die digitale Transformation der Verwaltung. Für die erfolgreiche Umsetzung dieser strategischen Schwerpunkte sind ein gesunder Kantonshaushalt und eine leistungsfähige Verwaltung wichtige Grundlagen.