2025 gab es allein in Garagenbetriebe 190 Einbrüche oder Einbruchsversuche - was tut "Bern"?

2025 gab es allein in Garagenbetriebe 190 Einbrüche oder Einbruchsversuche - was tut "Bern"?
Bundesrat antwortet auf Vorstoss von Nationalrätin Stefanie Heimgartner (SVP). Foto: ZVG

In einem in der Wintersession 2025 eingereichten Vorstoss verweist die Aargauer SVP-Nationalrätin Stefanie Heimgartner darauf, dass "in den letzten Monaten in verschiedenen Regionen der Schweiz eine markante Zunahme von Fahrzeugdiebstählen zu verzeichnen (ist), die sich insbesondere gegen Autogaragen und Fahrzeughändler richtet". Betroffen seien dabei nicht nur einzelne Betriebe, sondern zahlreiche Garagen, teilweise mit erheblichem wirtschaftlichem Schaden.

Offenbar oft minderjährige Täter

Medienberichten und Aussagen aus Polizeikreisen zufolge werden viele dieser Diebstähle von minderjährigen Tätern begangen, die mutmasslich aus dem grenznahen Ausland – insbesondere aus Frankreich – agieren. Zudem gebe es Anhaltspunkte, dass diese Jugendlichen über soziale Medien, namentlich über Plattformen wie TikTok, gezielt angeworben oder zu solchen Straftaten angestiftet werden.

Vor diesem Hintergrund ersucht Heimgartner den Bundesrat um die Beantwortung mehrerer Fragen, etwa ob dem Bundesrat die starke Zunahme von Fahrzeugdiebstählen bei Autogaragen bekannt ist, und wie er das Ausmass sowie die Entwicklung dieser Deliktsform auf nationaler Ebene beurteilt, und wie sich die Anzahl an Autodiebstählen in den letzten Jahren schweizweit entwickelt hat?

Bundesrat: Luxusautodiebstähle sind bei Garageneinbrüchen häufig

Fahrzeugkriminalität ist auch in der Schweiz kein neu aufkommendes Deliktsfeld. Stand heute sind dem Bundesamt für Polizei (fedpol) für das Jahr 2025 schweizweit rund 190 Einbrüche oder Einbruchsversuche in Garagenbetriebe bekannt, die diesem Phänomen zugeordnet werden können. Luxusautodiebstähle sind dabei häufig als eine Erscheinungsform organisierter Kriminalität zu betrachten.

Gruppierungen hinter Tätern "mutmasslich in Frankreich zu verorten*

Die kriminellen Gruppierungen hinter den Taten seien mutmasslich in Frankreich zu verorten. Eine von EUROPOL koordinierte polizeiliche Operation im Oktober 2025 hat jedoch aufgezeigt, dass auch Gruppierungen aus anderen Ländern wie bspw. Spanien und Italien eine Rolle spielen. Sie funktionieren dabei nach dem Prinzip des «crime-as-a-service», nach welchem kriminelle Dienstleistungen gegen Bezahlung angeboten werden. Das heisst, so der Bundesrat, "sie versprechen tatwilligen Personen schnell verdientes Geld, ohne dass dafür spezifische Qualifikationen nötig wären".

"In der Regel junge, für solche Angebote empfängliche Männer oder Jugendliche"

Die Tatausführenden in der Schweiz seien in der Regel junge, für solche Angebote empfängliche Männer oder Jugendliche, die auf der Suche sind nach einem einträglichen Nebenverdienst oder finanzieller Unabhängigkeit. Sie hätten oft keinen Bezug zu den Auftraggebern und nähmen die Aufträge über Social Media oder Chatkanäle entgegen. Diese Methode wurde in der Schweiz nicht nur bei Luxusautodiebstählen festgestellt, sondern auch bei anderen Deliktsarten wie etwa Angriffen auf Waffengeschäfte oder Raubüberfälle oder auch im Bereich Cybercrime.

Ermittlungserfolg der Polizei des Kantons Neuenburg

Strafrechtlich liegt die Verfolgung dieser Delikte grundsätzlich in der Zuständigkeit der kantonalen Strafverfolgungsbehörden. Fedpol nimmt auf Stufe Bund operative kriminalpolizeiliche nationale und internationale Koordinationsaufgaben wahr und stellt den internationalen Informationsaustausch insbesondere mit Europol und INTERPOL sicher, der für die Bekämpfung dieser in der Regel transnational operierenden Kriminalität von entscheidender Bedeutung ist, schreibt der Bundesrat weiter. Dies werde mit dem jüngsten Ermittlungserfolg der Polizei des Kantons Neuenburg deutlich, wo zusammen mit den französischen Strafverfolgungsbehörden sowie fedpol und Europol die Identifizierung von Hintermännern gelang.

Ziel bis Ende 2026: nationaler Aktionsplan (NAP) zur Bekämpfung der Organiusierten Kriminalität mit konkreten Massnahmen, Zuständigkeiten und Fristen

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 19. Dezember 2025 die Strategie der Schweiz zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität (OK) gutgeheissen. Unter der Leitung von fedpol hat das EJPD die Strategie gemeinsam mit Bund, Kantonen und Gemeinden ausgearbeitet. Die Strategie legt Aktionsfelder für das Erkennen, Verhindern und Bekämpfen der OK fest. Mit dieser Strategie soll die Bekämpfung der OK auch in Bezug auf Einbruchdiebstähle verbessert werden. Zudem wird das EJPD zusammen mit der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) und weiteren Stellen des Bundes, der Kantone und der Gemeinden bis Ende 2026 einen auf der Strategie basierenden Nationalen Aktionsplan (NAP) zur Bekämpfung der OK mit konkreten Massnahmen, Zuständigkeiten und Fristen ausarbeiten.